(repräsen)TANZ zeigen verboten?
Wir gehen ins Theater. Die Bühne: dunkel, lediglich befunzelt von kleinen Taschenlampen, die das Publikum beim Einlass in die Hand gedrückt bekommt. Auf der Bühne: graue, vermummte, lemurenhafte Gestalten. Das Stück heißt «Ohne Titel». Autor unbekannt, die Tänzer sind es ebenfalls. Solche «Geheimnisse» machen neugierig. Im Vorfeld viel Spekulation, wer der Schöpfer dieses Projekts sein könnte. Es gibt keine inhaltliche Vorabinformation, der Programmzettel ist demonstrativ weiß und leer. Was wird gezeigt? Fast nichts.
Viel Nebel, immer wieder schemenhafte Gestalten, die sich wenig bewegen.
Beinah wie optische Täuschungen. Menschen und gleich gekleidete, gleich gewichtige Puppen sind kaum voneinander zu unterscheiden. Am Schluss: Rhythmische Musik, drum’n’ bass, dazu eine Puppe (oder doch ein Mensch?), die an Fäden hin und her gezogen wird. Dann, endlich, entblättert einer der Performer sein Gesicht und setzt sich ins Publikum, um die Diskussion zu leiten. Augenblicklich setzt eine heftige Debatte ein, streng polarisierend. Theater müsse zumindest irgendeine Form von sozialem Austausch bieten. Oder wenigstens etwas präsentieren – wenn schon nicht repräsentieren. Selbst diesen ...
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Tanz Dezember 2005
Rubrik: Körper, Seite 22
von Susanne Foellmer, Pieter T’Jonck, Arnd Wesemann
Es war ein Festival der ersten Stunde. 1978 verwandelte sich Aix-en-Provence in ein zeitgenössisches Tanzzentrum unter freiem Himmel. Eingestampft wurde es anno 2005. Pardon, transferiert zugunsten des Ballet Preljocaj. Das CCN weiht gerade seinen Neubau ein, und der hat endlich einen Saal. Die achtzehn anderen CCN haben das nicht. Aber ein Saal kostet Geld und...
Werner Schroeter
war ein Star, einer der Motoren des kollektiven Coming-out: Die Party hob in den 1970ern an, sie war ein Segen, ein Karneval der Kulturen quer zu allen alten Zuweisungen des Geschlechts, der Herkunft, der sozialen Unterschiede. In Cliquen wie Schroeters erfanden sich die, die «anders» waren, in den alten Uniformen eine neue, ihre eigene Identität....
Klatschmärsche für Sven Grützmacher. Sein erfolgreiches Debüt in Trier gab der zuvor als stellvertretender Ballettdirektor nebenan in Saarbrücken bei Birgit Scherzer tätige Berliner mit einem Abend über Jacques Brel. Sein Tänzer David Scherzer mimt Brel – Le Grand Jacques, den belgischen Barden, der in den 1960ern gegen das Mittelmaß Sturm lief. Um das zu stemmen,...
