big bang boléro
Erfolg und Ruhm sind unberechenbare Gesellen. Oft stellen sie sich völlig überraschend ein, manchmal fast schon unerwünscht. Heiner Müller machte diese Erfahrung und äußerte seinen Frust darüber, dass ausgerechnet das von ihm gar nicht geliebte «Quartett» sein erfolgreichs-tes Stück wurde.
Noch gefährlicher leben Komponisten, werden sie doch zu leicht auf einen Ohrwurm reduziert – Wolfgang Amadeus Mozart auf die Gassenhauer aus der «Zauberflöte», Ludwig van Beethoven auf eine Handvoll Götterfunken, Georges Bizet auf «Carmen» und Nikolai Rimski-Korsakow auf ein paar Minuten «Hummelflug». So geht es allen, die nicht für einen Bruch in der Kunstgeschichte und damit für einen Stil stehen, sondern einfach für Exzellenz.
Am schlimmsten traf es Maurice Ravel mit seinem «Boléro». Der schnelle Erfolg des simpel konstruierten Werks ließ Ravel fürchten, dass sich allerlei Amateurorchester darauf stürzen würden. Womit er goldrichtig lag. Ein einziges Motiv, unablässig wiederholt und immer intensiver orchestriert, daran versucht sich jedes Feierabendorchester. Ravel selbst erklärte, der Aufbau wäre für jeden Studenten am Konservatorium machbar gewesen. Im Minutentakt erklingt das Werk heute, ...
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Zwei Jahre dauert es in der Tanzforschung, um ein Symposium beim Festival «Tanz IN. Bern» 2008 in einen harten Einband zu übersetzen. Wie bei jedem Symposium, hier über «Geschichts-Schreibung im Tanz», also über die Rekonstruktionen klassischer Ballette (Cranko) und über die Re-Enactments moderner Tänze (Grete Wiesenthal, Dore Hoyer), gehört es sich einfach, mit...
Die Schlinge um den Hals, baumelt die Kuh über dem Abgrund. Gnadenlos wird sie fallen gelassen. Ein Schreckenslaut, und Chiara stürzt ab. Perdita folgt ihr. Auch eine Violetta ist dabei, die der Komponist Matteo Fargion auf diese Weise über die Klinge springen lässt, während sein Kollege, der Tänzer Jonathan Burrows, seine sechs Kühe auf seinem Tisch hin und her...
Immer wieder erstaunt Anne Teresa De Keersmaeker damit, wie sie zugleich einen neuen Blick auf ihr Werk findet und doch die klare Linie behält. Nach der Stille in «The Song» kündigte sie an, zu einer Musikform zu wechseln, die so komplex sei, dass man schon von Manierismus sprechen könne, der Ars subtilior. Dann lässt sie in Stille tanzen, in der Stille der Natur....
