bielefeld: Gregor Zöllig: «Schwanengesang»
Das Wörtchen «Schwan» kommt immer gut im Titel eines Tanzstücks. Sofort geht mentaler «Ballettalarm» los. Auch der Bielefelder Tanztheaterchef Gregor Zöllig bezieht sich in seinem «Schwanengesang» auf die diversen Vogeltode in der Ballettgeschichte. Doch holt er die romantischen Motive radikal ins Hier und Jetzt, denn: Sind wir nicht alle ein bisschen Schwan?
Die Bühne ist eine Wohnung. Schreibtisch mit Computer, Bett, Duschkabine, Kühlschrank, Klo. Ungewöhnlich ist nur die Vorliebe für diese Fototapete. Die Bühnenwände von Tilo Steffens zeigen einen herbstlichen Wald.
Ein Mann räkelt in diesem Apartment vor dem Computer – ein nächtlicher Nerd, der nicht loskommt vom Rechner. Bei einem Paar gibt es Krach in der Küche, ein anderes symbiotisiert noch beim gemeinsamen WC-Besuch. Ein Mann schrubbt sich schlaftrunken das Gesicht, verwandelt sich in einen bürotauglichen Anzugträger und brütet dumpf über der Kaffeetasse. Eine Wohngemeinschaft der Somnambulen. Alle tanzen ein bisschen, in einer Szenerie von fast brutalem Realismus. Während aus dem Orchestergraben die Musik Pjotr Tschaikowskis ins Mythische walzt, zeigt Gregor Zöllig seine «Prinzen» und «Prinzessinnen» wie Zeitgeister ...
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Tanz Dezember 2011
Rubrik: kalender und kritik, Seite 40
von Nicole Strecker
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