bern: Yet Company: «Vivant!»
Noch nie von dieser Schweizer Kompanie gehört? Nie den in der Berliner Etage ausgebildeten Pantomimen Fabian Cohn kennengelernt? Nie die Tanzpädagogin Dominika Willinek getroffen, die fließend in sechs Sprachen parliert? Dabei ist ihre gemeinsame, 2010 gegründete Tanzkompanie ein echter Renner. Nie sah man die Uferstudios in Berlin so gefüllt mit jungem Publikum.
Nie gab es im Vorfeld derart oft zerstörte Plakate.
Das Motiv zeigt fünf nackte Körper ohne Kopf, die skulptural ineinander so verschmolzen sind, dass man sich nicht entscheiden kann: Weibchen oder Männchen? Die im Wedding vorherrschende Religiosität nahm es gleich mal als Provokation. Das Publikum war umso beeindruckter, als genau das geboten wurde, was angekündigt war: Fünf Frauen, die sich nahezu nackt aus Tüchern wickeln und, sobald der Bühnennebel sich lichtet, den Blick freigeben auf die Schönheit eines Tanzes, der sich ganz auf die angesagte «Bier»-Ästhetik von Bewegung, Inhalt, Entschleunigung und Reduktion verlässt.
Es gibt keinen doppelten Boden, keinen über die Körper hinausweisenden Diskurs, keinen Anspruch, der das Denken über die Leiblichkeit stellt. Es gibt nur das, was zu sehen ist. Das ist der Inhalt. Der ...
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Tanz August/September 2014
Rubrik: kalender und kritik, Seite 72
von Arnd Wesemann
Eine halbe Dekade lang hatten Serge Diaghilews Ballets russes in Paris einen mächtigen Konkurrenten um die Krone der Avantgarde: Les Ballets suédois. Dadaistisch, kubistisch, «instantanistisch» – so der Ruf der Truppe. Ihr Förderer war Rolf de Maré, reicher Sohn schwedischer Adliger und Liebhaber moderner Kunst. Er gründete 1920 die internationale Kompanie, für die...
Ab vierzig ist man für sein Gesicht verantwortlich, soll Leonardo Da Vinci gesagt haben. Napoleon Bonaparte wird zugeschrieben, die Grenze auf dreißig gesenkt zu haben, als ihm eine Visage unbehaglich war. Albert Camus sprach nur noch von «einem bestimmten Alter». Und wenn es schon bei der Geburt so wäre? Der Gesichtsausdruck geht mit Verantwortung einher. Der...
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le corsaire
Monsieur Petipa, wie haben Sie das gemacht? Da heute keiner mehr – wie einst François Truffaut Alfred Hitchcock – diese Frage stellen kann, muss sich der zeitgenössische Cho-reograf entscheiden: Rekonstruiere ich aufwendig, empfinde ich nach oder schaffe ich gleich komplett einen Klassiker neu? Gerade bei Marius Petipas «Le Corsaire», der...
