über armut

Viele Kunstschaffende sind nicht nur arm, sie propagieren auch eine Armut der Kunst – als sei dies von der Politik so gewollt

Tanz - Logo

Arm ist, wer mit der Sorge ums Geld aufsteht, aus Sorge ums Geld arbeitet und mit derselben Sorge wieder ins Bett steigt. Armut kann unermesslich sein, und darum ist sie auch nicht messbar, nicht mal an der Füllhöhe des Kühlschranks.

Ist einer erst dann arm, wenn er keinen Kühlschrank mehr hat? Arm ist vielmehr, wer sein Denken nur noch schwer in andere Bahnen lenken kann, und immerzu ein Mantra wiederholt: Wie die Schulden zurückzahlen? Wie die Miete zusammenkratzen? Zu dieser Ansicht von Armut – als ein Handicap – gelangte 2013 eine bemerkenswerte Studie der University of British Columbia in der Zeitschrift «Science». Sie wies nach: «Knappheit fesselt die Aufmerksamkeit. Sie verbraucht mentale Bandbreite» in einem Ausmaß, das einer «Verringerung des IQ um bis zu 13 Punkte oder den Folgen einer durchwachten Nacht» entspricht.

Armut macht dumm

Armut neigt dazu, das Hirn mit unlösbaren Problemen zu verstopfen. Entsprechend sinkt diejenige Denkleistung, die lang- und mittelfristige Ziele verfolgt. Dazu gehört die Fähigkeit, über den Tellerrand zu schauen, eine Karriere zu verfolgen oder sich selbst (bei einer Bewerbung oder Audition) in ein gutes Licht zu rücken. Diese Unfähigkeit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz November 2014
Rubrik: ideen: tanz und politik, Seite 62
von Arnd Wesemann

Weitere Beiträge
an der quelle

Wer sich zutrauen würde, eine Geschichte des zeitgenössischen Tanzes zu schreiben, käme schnell zur Erkenntnis: Es gibt keine richtige Reihenfolge. Es scheint unmöglich zu sagen, auf Choreograf X folgte Choreografin Y. Was in einem Stadttheater noch gültig zu sein scheint – nach Youri Vámos in Düsseldorf kam Martin Schläpfer – ist dennoch ungültig, denn Schläpfer...

alltag

Martin Schläpfer blickt verdrießlich auf seine Füße. Er probiert die komplizierte Schrittfolge aus verketteten Bourrées und Échappés erneut. «Ich kann das noch nicht», sagt er, und schleudert das rechte Bein nach vorne. Halb belustigt, halb verärgert streicht er sich durchs Haar. Wie ein Schuljunge wirkt der Chef des Ballett am Rhein im Probensaal in...

wrocław: Robert Bondara: «Feuervogel», «Der wunderbare Mandarin»

Wrocław wird 2016 Europäische Kulturhauptstadt. Für das Ballett der Oper Anlass genug, schon jetzt neue Akzente zu setzen, um aus dem übermächtigen Schatten der Megamusikproduktionen herauszutreten. So kann man die erste Premiere der Saison programmatisch sehen: Strawinskys «Der Feuervogel», Bartóks «Der wunderbare Mandarin» an einem Abend – publikumswirksam das...