berlin: She She Pop: «Frühlingsopfer»

Tanz - Logo

Warum sind wir so geworden, wie wir sind? Diese alte, kluge, böse Frage stellten die Berliner Performerinnen von She She Pop zuletzt 2010 ihren leibhaftigen Vätern. Ihre maulenden Papas spielten König Lear, der sein Bühnenreich unter den Töchtern aufteilt. Frech schlugen die Töchter das Erbe aus. Bibliotheken etwa, durch die ihre bildungsbeflissenen Väter sich hindurchgelesen haben, sie nehmen nur teuren Mietwohnungsplatz weg. So praktisch denken Töchter.

Jetzt sind ihre Mütter an der Reihe: Was erben wir von Mama? Die Antwort: ihre Opferrolle.

Bei Opfer denken wir pünktlich zum ersten Jahrestag nach den Zentenarfeiern zur Uraufführung an, natürlich: Igor Strawinskys «Le Sacre du printemps». Als bekennende Fans des Performance-Kollektivs hoffen wir ebenso natürlich: She She Pop wird auch dieses Erbe – die fiktive Vergewaltigung einer Auserwählten und erotische Bejahung der Opferrolle – einfach ausschlagen. Doch sie machen’s nicht. Die weibliche Viktimisierung, die Generationen von Müttern an Töchter (und Söhne) weiterreichten, scheint ihnen tatsächlich restlos identisch mit der weiblichen Identität an sich.

Auf vier gewaltigen Vorhängen im Berliner Hebbel am Ufer bewegen sich vier ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juni 2014
Rubrik: kalender und kritik, Seite 38
von Arnd Wesemann

Weitere Beiträge
wien: Ashley Page: «Ein Reigen»

Vielleicht hat der Auftraggeber Manuel Legris genau darauf spekuliert: Ashley Page, Ex-Tänzer des Royal Ballet, Ex-Direktor des Scottish Ballet, war zweimal als Choreograf erfolgreich, und zwar als Arrangeur der weltweit übertragenen Tänze fürs traditionelle Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker. Das Staatsballett hatte dabei in fein ziselierter,...

tatjana

Lera Auerbach, wann kam es zu Ihrer Zusammenarbeit mit John Neumeier? Und wie tauschen Sie sich eigentlich während Ihrer gemeinsamen Arbeit an «Tatjana» aus?
Im September 2007 wurde mein «Russisches Requiem» von den Bremer Philharmonikern und dem Lettischen Staatschor uraufgeführt. John Neumeier und der inzwischen verstorbene Klaus-Peter Seibel, der das Ballett...

bern: Estefania Miranda: «Othello»

Als Tanzdirektorin bei Konzert Theater Bern und Nachfolgerin von Cathy Marston hat Estefania Miranda einen glanzvollen Start hingelegt. Die Chilenin erneuerte das Ensemble, führte frische Programmformate ein sowie eine internationale Tanzplattform zur Förderung von Nachwuchschoreografen. Zudem haben ihre Gastchoreografen reüssiert, sowohl Nanine Linnings «Zero»...