ziemlich beste feinde
Eine der Szenen, die Gérard Corbiaus Film «Le Roi Danse» zum Kassenerfolg verhalfen, erlaubt einen Blick in die Wiege des klassischen Balletts. Sie zeigt Louis XIV., 14-jährig, wie er, mit dem berühmten vergoldeten Strahlenkranz auf dem Kopf, aus der Versenkung auftaucht, während ringsherum künstliche Vulkane Feuerregen sprühen. Bevor sich der Aufzug, der ihn nach oben befördert, in Bewegung setzt, flüstert er drei Worte: «Kraft, Vergnügen, Licht».
Auf der Bühne angekommen, wirkt sein Tanz deprimierenderweise nur mehr wie eine Karikatur dieses schönen Mantras: ferngesteuert, düster. Er stampft auf der Stelle, reduziert auf eine Geste, zwei Positionen, die Füße kleben unfroh am Boden. Die statisch an Schlag eins des Taktes festgetackerte Musik, die wir dazu hören, ist eine Notlösung. Weil nämlich die Noten, zwar nicht alle, aber eben doch leider die zu den Tanzsätzen des von Kardinal Mazarin im Februar 1653 veranstalteten «Ballet Royal de la Nuit», in dem der junge Louis aus Gründen der Staatsräson erstmals als Phöbos Apoll in einem Ballet de cour auftrat, verschollen sind. Also hat sich Reinhard Goebel, der mit dem Ensemble Musica Antiqua Köln für den Soundtrack des Films sorgte, ...
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Tanz Jahrbuch 2015
Rubrik: Sinne, Dramen, Klang, Seite 98
von Eleonore Büning
In einem Interview zu meinem letzten Stück «Now I Lay Me Down» fragte mich die Gesprächspartnerin: «Holen Sie mit Ihren Arbeiten in lichtlosen Räumen durch die Hintertür die Große Oper zurück?» Ich war total verblüfft, verstand zunächst gar nicht, warum eine musikalische Performance – in dem Fall ohne Gesang – in einem lichtlosen Raum «Große Oper» sein sollte:...
Tanz und Musik können die ganz großen Gefühle aus uns herauskitzeln: Wenn Zuschauer sich bei Béjarts «Boléro» vor Leidenschaft verzehren oder leise schluchzen, kaum dass «Giselle» das letzte Mal für ihren Geliebten tanzt, hat der Verstand Sendepause. Emotionen sind eine ziemlich komplizierte Sache. Viele Systeme in Gehirn, Körper, im Bewussten und Unbewussten...
Noé Soulier, Sie gelten als junger Überflieger, lernten zuerst Ballett, gingen dann an die Ausbildungsschule P.A.R.T.S. nach Brüssel und studierten gleichzeitig Philosophie. Warum interessieren Sie sich für Ballett? Im Ballett wird Emotion von Bewegungen ausgelöst, hinter denen eine Technik steht, die Teil einer Systematik ist. Es scheint mir interessant zu sein,...
