Die Kampfkunst-Tänzerin
Was Kampfkunst vom Kampfsport unterscheidet, nennt der Chinese chu fa. Heißt: Es ist egal, wer siegt. Lerne dich einfach selbst im Gegner kennen. Das ist, in einer jetzt im Tectum Verlag erschienenen Magisterarbeit, die schönste Aussage der «Kampfkunst-Tänzerin» Karolina Walkowicz. Selbst tanzt sie nur mit halber Kraft, weil eine Hand ständig in den Schriften der Psychoanalytikerin Luce Irigaray blättert und ihr Gegner dieser fiese männliche Blick ist, an dem sie sich lieber nicht erkennen möchte.
Ihr male gaze will immer nur die Frau zum Sieg verführen, als schwertführende Kill-Bill-Ninja. Das sei die Vorderseite jener phantasmatischen Münze, auf deren Rückseite die femmes fragiles des klassischen Balletts abgebildet sind. Weder Ballett noch Kampfkunst, nein, Tai-Chi sei die wahre Kunst, für die Walkowicz den besten Zeugen ausmacht: Hwai-min Lin und sein Cloud Gate Dance Theatre of Taiwan. Sie bewundert es wegen der scheinbar geschlechtsneutralen Kraft, die Lins Tänzerinnen aus ihrem Qi schöpfen. Die Tanzende hat weder männlich kühne Protzerei nötig, noch ist sie weibliches Objekt. Obwohl Walkowicz erstaunt konstatiert, wie wenig über Lins Kunst publiziert ist – ihr Buch nähert ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Gérard Violette, der das Théâtre de la Ville etablierte, hat sich aus Paris zurückgezogen. Guy Darmet gibt in Lyon die Leitung von Biennale und Maison de la Danse ab, um seinen Lebensmittelpunkt wahrscheinlich nach Brasilien zu verlagern. Damit hat Frankreich nur noch einen aktiven Kurator aus der Gründerzeit des Tanzkults: Jean-Paul Montanari in Montpellier. Wie...
Sie sind die Stars der Stunde. Mit vier Kreationen, einer Art Werkschau, geht es für die beiden französischen Tänzer Cecilia Bengolea und François Chaignaud derart hoch hinaus, dass man sich fragt, in welche Gefilde der Hype noch führen mag. Oder wann der Absturz folgt. Mit «Castor & Pollux», soviel steht fest, stellen die beiden einen Höhenrekord der...
Selten musste sich eine Kompanie derart sputen, eine Tänzerin zu befördern, wie das Niederländische Nationalballett in Amsterdam. Dort tanzte die 28-jährige Finnin Anu Viheriäranta bislang die zweite Besetzung. 1998 gewann sie zwar den «Prix de Lausanne» und zog an die Royal Ballet School nach London. Ab August wird die seit 2005 in Amsterdam lebende Ballerina aber...
