Dortmund: «Livebox: Persona»
Hier sind Tänzer, die sich gebärden. Einer knickt kunstvoll in den Knien ein, tut so, als ob er falle. Er fällt, aber es ist kein Fallen, nur eine gestische Andeutung davon. Der Tänzer Sudeep Kumar Puthiyaparambath zeigt, wie er fallen würde. Er tanzt die Möglichkeitsform, als wäre er ein Model, das zu fallen habe.
Die Pose bleibt jederzeit sichtbar, auch bei seinem Kollegen und den drei Frauen, die das weiße Bühnengeviert bedeutungsvoll betreten, dann bedeutsam auf dem Boden lagern und ins Publikum schauen, dorthin, wo sich vermutlich die Bedeutung ihres Tuns erst noch herstellen soll.
Ben J. Riepe, Schüler seines Düsseldorfer Meisters VA Wölfl, bezieht jede seiner im Berliner Ballhaus Ost exekutierten Gesten zurück auf ein stehendes Bild. Die Pose ist das Ziel aller Bewegung. Dazu tragen die Tänzer Masken, die an einen Versehrten des Ersten Weltkriegs denken lassen, an einen Vogel oder an einen Hund (aus dem Lautsprecher ist deutlich Bellen zu vernehmen) oder an ein Alien (die Lautsprecher singen: «Hallelujah»). Während die Akteure ins Publikum schauen, und wir so tun, als würden wir Tiere, Aliens und Versehrte sehen, wird ihnen – vom Choreografen persönlich – je eine Kerze ...
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Tanz August/September 2016
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 40
von Arnd Wesemann
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Wie sich die Gedanken beim Reden allmählich verfertigen, lässt sich eindrucksvoll an einem Werkstattgespräch der Akademie der Künste (DDR) ablesen. Von keiner Geringeren als Ruth Berghaus moderiert, ebenfalls eine namhafte Choreografin, entwickelte Pina Bausch 1987 coram publico ihr Verständnis dessen, was sie selbst als Tanztheater bezeichnet hat. In...
Ein einziges Mal darf sie es tun. Nicht nur im Takt wippen, sondern auch den Raum erobern, ihn fast ganz durchmessen, mit wiegenden Schritten, mit beinahe ausgelassenen Drehungen, und das ohne Unterstützung der sehnigen, im West End oder in Manhattan gecasteten Kollegen. Cecilia Bartoli tanzt allein – und ist plötzlich ganz bei sich, wie selbstvergessen. Gerade...
