Düsseldorf

Raimund Hoghe «La Valse»

Tanz - Logo

Raimund Hoghe scheint um sein Leben zu schwimmen. Dann am Strand zu liegen und den Wellen zu lauschen, die Arme eng am Körper. Guy Vandromme sitzt am Flügel und spielt «La Valse» von Maurice Ravel, die Pianoversion, so aufgewühlt, als wäre es der finale Sturmflut-Satz aus Claude Debussys «La Mer». Die Assoziation entsteht vor allem deshalb, weil bald klar wird, warum Hoghe hier zwölf Minuten lang regungslos verharrt: Dies ist das Reenactment einer der symbolträchtigsten Fotografien der jüngsten Zeit.

Sie zeigt den kleinen Aylan, das an einem türkischen Badestrand angespülte, ertrunkene syrische Flüchtlingskind. Das Bild wurde zuerst von Ai Weiwei nachgestellt, nun von Hoghe. 

Natürlich ist der Abend mit Walzern jeder Art auch allen anderen Opfern unter den Flüchtlingen zugedacht, insbesondere aber Kindern. Ein buntes Kinderstück ist er nicht. Vielmehr unterstreichen Hoghe, sein künstlerischer Mitarbeiter Luca Giacomo Schulte und die Tänzer zur Uraufführung am Centre Pompidou in Paris vor allem, wie grau der Tod ist. Dunkelgrau ihre Kleidung, mittelgrau die Decken, die Schulte ihnen über die Schultern legt, grauschwarz der Bühnenraum. Da wirkt ein rotes Tuch, das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 38
von Thomas Hahn

Weitere Beiträge
Ausblicke

Amsterdam

Het Nationale Ballet tanzt das mehrteilige Programm «Made in Amsterdam 1 & 2» mit Uraufführungen von David Dawson, Ernst Meisner und Juanjo Arqués sowie Wiederaufnahmen von Hans van Manen, Christopher Wheeldon, Alexei Ratmansky, Ton Simons und Krzysztof Pastor. De Nationale Opera, 11. Febr. – 4. März; operaballet.nl

Den Haag

Das Nederlands Dans...

Abwickler oder Retter des Tanzpreises?

Königsmord, Umsturz, Intrigen, Machtkämpfe – das Vokabular, das derzeit in Verbindung mit dem «Deutschen Tanzpreis» fällt, klingt mehr nach Shakespeare-Drama als nach deutscher Vereinsmeierei. Tragödie oder Komödie? Es liegt im Auge des Betrachters.

Ronald Hackelberg zum Beispiel, Ex-Vorstandsmitglied des Fördervereins Tanzkunst Deutschland (FTD), lacht...

Christine Joy Alpuerto Ritter

Die meisten Leute lernen die Choreografien von Michael Jackson wahrscheinlich durch Abschauen bei YouTube. Und deshalb seitenverkehrt, also falsch herum. Den wenigsten fällt das auf. Christine Joy Alpuerto Ritter ist es aufgefallen. Auch sie hat Jacksons Moves als Kind von Clips gelernt. Und – das nur nebenbei – natürlich geweint, als er starb. Was Zuneigung...