lustschmerz
Ein Schmerz, der sich dosieren lässt. Man atmet tief in ihn hinein, atmet gegen den Widerstand an, gibt sich dem Konflikt hin zwischen gewollter Grenzerweiterung und instinktiver Grenzwahrung. Geist gegen Körper. Der Machtkampf wird nirgends so ehrfurchtsvoll zelebriert wie beim Stretching. Bis zum perfekten Spagat, wenn die Scham den Boden küsst – das Aphrodisiakum im Tänzerleben.
«Hast du Schmerzen, während du tanzt?», hat die niederländische Tanzfotografin Lilian van Rooij ihre acht Modelle gefragt. Niemand hat «Nein» gesagt.
In Knie, Fuß, Hüfte, Schulter, den Zehen haust das Weh: die kollektiven Quäl-Gelenke. Es sind Schmerzen, die nur mit Tabletten, zusammengebissenen Zähnen, forcierter Verdrängung bewältigt werden.
Wie anders ist der Lustschmerz des Stretching: kontrollierbar und konstruktiv. Er dient der Erweiterung der eigenen Möglichkeiten. Schon im jahrtausendealten Yoga praktiziert, glaubt man heute mehr denn je: Dehnen heilt. Forscher überwinden ihre Skepsis und untersuchen die altindische Body-Mind-Technik nach wissenschaftlichen Kriterien. Vor allem die seit Jahren viel beachteten Neurobiologen liefern verblüffende Erkenntnisse über Strukturveränderungen im Gehirn, ...
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Tanz August/September 2013
Rubrik: bewegung, Seite 4
von Nicole Strecker
Marius Petipa musste nicht lange überlegen, zu welcher Musik er Dornröschen wachküssen ließ. Er bestellte sich einfach «ein feuriges und bebendes Motiv» bei Tschaikowsky. Merce Cunningham schuf seine Choreografien unabhängig von John Cages Musik und setzte beides erst bei der Premiere zum fertigen Stück zusammen. «In meinen choreografischen Kreationen habe ich mich...
Takt ist eine lebendige Struktur, er pulsiert regelmäßig, so wie die Herzschläge, aber eben nicht völlig gleichförmig. Genauso wenig wie der Rhythmus, der den Takt erst interessant macht, weil er von ihm abweicht. Über den legt sich wiederum die Melodie, großbögig ausgeformt oder kleinteilig, nur als Motiv oder Tonfolgenpartikel erkennbar. Auch sie geht mit den...
Benutzen Sie den Aufzug nur, wenn es brennt. Öffnen Sie Türen und Fenster. Bewahren Sie keine Ruhe, geraten Sie Panik. Es ist alles nur blinder Alarm. Boyzie Cekwana, der ewige Shootingstar der südafrikanischen Tanzszene, glaubt, man müsse die Dinge nur in ihr Gegenteil verkehren, um besser sehen zu können. Er habe einen «wütenden Magen, der gegen den...
