Innsbruck
Der Tod ist eine Lösung. Zumindest, wenn einem das Leben unmöglich geworden ist. Was muss 1889 in Rudolf, Kronprinz von Österreich-Ungarn, vorgegangen sein, dass er erst seine Geliebte Mary Vetsera erschoss und dann sich selbst? 1978 hat Kenneth MacMillan den Stoff für die Ballettbühne bearbeitet, jetzt nimmt sich Enrique Gasa Valga seiner an, unter dem gleichen Titel wie der berühmte Vorgänger: «Mayerling».
Valga, Leiter der Tanzkompanie am Tiroler Landestheater, setzt den Bericht über den Freitod vorweg und erzählt von hier aus einzelne Stationen, Geschehnisse, Konstellationen: Rudolfs problematische Beziehung zu den kaiserlichen Eltern Franz Joseph I. und Elisabeth, die unglückliche Ehe mit Stephanie von Belgien, politisches Engagement, die Verhältnisse zu diversen Frauen, die Syphiliserkrankung und die daraus resultierende Morphium-Abhängigkeit. Letzte Station ist das Jagdschloss Mayerling, wo Rudolf und Mary sich vom Leben verabschieden.
Das alles spielt sich in einem metaphorisch aufgeladenen Einheitsbühnenbild ab, einem überdimensionalen Vogelkäfig von Helfried Lauckner, Gefängnis und Manege zugleich. Das Ambiente spielt geschickt auf Rudolfs fast manisches ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Januar 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 46
von Carmen Kovacs
Im Februar: Tanzen ist Sünde!
Dieses Urteil setzten die Kirchenväter in die Welt, und ihre Nachfolger verkündeten es weiter bis ins Hoch- und Spätmittelalter hinein – so heißt es jedenfalls, wann immer es um Christentum und Tanz geht. Doch das Klischee ist brüchiger, als wir annehmen. Denn der Tanz gehörte zu den Ritualen, die geistliche Gemeinschaften...
Raimund Hoghe scheint um sein Leben zu schwimmen. Dann am Strand zu liegen und den Wellen zu lauschen, die Arme eng am Körper. Guy Vandromme sitzt am Flügel und spielt «La Valse» von Maurice Ravel, die Pianoversion, so aufgewühlt, als wäre es der finale Sturmflut-Satz aus Claude Debussys «La Mer». Die Assoziation entsteht vor allem deshalb, weil bald klar...
Königsmord, Umsturz, Intrigen, Machtkämpfe – das Vokabular, das derzeit in Verbindung mit dem «Deutschen Tanzpreis» fällt, klingt mehr nach Shakespeare-Drama als nach deutscher Vereinsmeierei. Tragödie oder Komödie? Es liegt im Auge des Betrachters.
Ronald Hackelberg zum Beispiel, Ex-Vorstandsmitglied des Fördervereins Tanzkunst Deutschland (FTD), lacht...
