«Don Q.» von Christian Spuck
Warten auf Godot? I wo! «Don Q.» nennt Christian Spuck seine neue, «nicht immer getanzte Revue über den Verlust der Wirklichkeit» im Stuttgarter Theaterhaus, und wenn man Egon Madsen und Eric Gauthier endlich sieht, denkt man eher an Wladimir und Estragon anstatt an Don Quixote und Sancho Pansa. Weiß gelockt der eine, dunkel der andere, scheinen sie sich gänzlich voneinander zu unterscheiden – und doch sind sie sich gleich in dem Versuch, der verlorenen Zeit noch einmal habhaft zu werden: zwei Clowns, die ohne Zweifel die Sehnsucht kennen. Ihr Leiden macht die Zuschauer lachen.
Eingeschlossen in eine Welt der Erinnerung, lässt der Haus-Choreograf des Stuttgarter Balletts die beiden dennoch von der Leine, und Egon Madsen wie Eric Gauthier nutzen die Gunst der Stunde und spielen noch einmal dasselbe Spiel: «Don Q.» alias Don Quixote. Schalkhaft zieht sich der 65-jährige Ballettstar den Sombrero tief ins Gesicht, und eine Sekunde lang kommt einem Egon Madsen tatsächlich spanisch vor. Nicht anders Eric Gauthier, gut dreißig Jahre jünger. Und los geht der gemeinsame Tanz, leichtfüßig, lachhaft und mit einer Lebendigkeit, die das echte Alter des einstigen Ballettstars Lügen straft. Und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es ist ruhig geworden in Westeuropa um der Künstler größten Feind aus den 1980ern. Aids. Eine Debatte um das Virus und seine Folgen findet kaum noch statt. Die Stille deutet darauf hin, dass sich grundsätzlich in unserem Verhältnis zur Immunschwäche wenig verändert hat. Das Schweigen im Wald mag mit dem kommerziellen Umgang mit Sexualität zu tun haben. Vor vierzig...
Jüngst schickte William Forsythe seine Zuschauer im Gänsemarsch durch einen Nebeneingang ins Bockenheimer Depot in Frankfurt. Wölfl schleust einen Teil seines Publikums durch das hintere Abteil einer Stretchlimousine, wo ein schlafender Nackter und zwei anscheinend kriminelle Hallodris auf Besucher warten, damit sie ihre Plätze im Marstall von Schloss Benrath...
Nur wenigen Choreografen gelingt es, eine eigene, unabhängige Handschrift zu entwickeln und diese auch noch lebendig zu erhalten. Der Brasilianer Rodrigo Pederneiras ist einer von ihnen. Jüngster Beweis: Breu, uraufgeführt im Teatro Municipal in Rio de Janeiro von seiner Grupo Corpo. Es geht zur eigens komponierten Musik von Lenine um einen Dialog zwischen...
