unmündig...
Es gibt kein Theater, keine Performance, keine Tanzvorstellung ohne Zuschauer. Trotzdem ist dem Theater der Zuschauer als bloßer Zuschauer nie genug. Er soll mehr sein, soll ein Verstehender, ein Mitspieler, ein Kollaborateur werden. Jacques Rancière – französischer Philosoph der Ästhetik und Politik – beschäftigt sich in seinem Werk «Der emanzipierte Zuschauer» mit genau diesem «Paradox des Zuschauers». Warum darf der Zuschauer nicht einfach nur zuschauen?
Die traditionelle Skepsis gegenüber bloßem Zuschauen ist tief in unserer Kultur verankert.
Das Zuschauen ist seit Platons berühmtem Höhlengleichnis mit einer Illusion verbunden. Er hatte es sogar als Gegensatz zur Erkenntnis verhandelt. Gefesselt und gefangen, sitzen die Menschen passiv in einer Höhle und starren auf eine Projektion bloßer Trugbilder, Schatten, die sie womöglich für die Realität halten. Gefangen sind sie in der einen Perspektive, in der ihnen wie im Theaterstuhl die Hände gebunden sind. Sie können nur glauben, was sie sehen. Selbst aktiv werden können sie nicht.
Das Zuschauen sei somit eine Grundschuld des Theaters: Es erzeuge Illusionen und passive Menschen. Platon schloss daraus, das Theater sei generell ...
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Tanz Februar 2011
Rubrik: ideen, Seite 58
von Anke Euler
Das «White Bouncy Castle», bekannt als schneeweiße Hüpfburg, die William Forsythe zusammen mit Dana Caspersen 1997 für Londons Artangel schuf, haben mittlerweile Tausende besprungen. Auf Luftkissen zugleich die Balance zu halten und zu tanzen, das tut weh. Der New Yorker Kunststudent Andros Zins-Browne, den es an die Brüsseler Schule P.A.R.T.S. verschlug, hat...
Es gibt Schriften, die machen allein deshalb Spaß zu lesen, weil man sehr fasziniert ist von jedem einzelnen Autor, der eine Liebe zum französisch-flandrisch-österreichischen Performancekollektiv Superamas entdeckt hat, sich diese aber schlicht nicht erklären kann. «Dieses schamlose Ausstellen männlicher Stereotypen, diese sexistischen Attitüden» (Elke Van...
Der 25-jährige Slowene ist einer der Neuen im Tanztheater Wuppertal. Schwarze Augen im weichen Gesicht; die Haartolle sendet in alle Richtungen. Sein Initialerlebnis im Tanz? Der Lambada der Cousine im Kaninchenkostüm. Nach kreativem Kindertanz folgten Gesellschaftstanz, Hip-Hop, Stepptanz, Jazztanz, eine Schule für zeitgenössischen Tanz. P.A.R.T.S. in Brüssel...
