Natalia Ossipova
Die junge Natalia Ossipova gehört zu denen, über die man spricht, über die man streitet. Man kann sie lieben oder auch nicht, aber man kann nicht umhin, sie zu bemerken.
Der Bühnenauftritt dieser nicht großen und dem allgemeinen Typ der Ballerina nicht entsprechenden Tänzerin ist buchstäblich wie der Flug eines hellen Kometen, sei es in der Variation der spanischen Braut («Schwanensee» von Yuri Grigorovich), in den fast cancanhaft getanzten, energischen fouettés und jetés en tournant in Massines «Gaîté parisienne» oder den Sprungvariationen im Schatten-Akt aus «La Bayadère» und «Don Quixote». Ihre kleinen Soli verdrängen die Pas de deux der führenden großen Ballerinen, ihre gewaltige Sprungkraft weckte die Konkurrenzgefühle männlicher Solisten, und ihre technische Versiertheit und verwegene Tanzmanier erstaunen die zeitgenössischen Choreografen. Ballettchef Alexei Ratmanski weiß sie zu schätzen und holte die Ossipova in seine Version von Strawinskys «Jeu de cartes» und in Ravels «Boléro». Denn mit diesem sehr musikalischen (was heute eine Seltenheit ist), sehr virtuosen («Sie dreht sich wie ein Teufel», sagte ihre Lehrerin schon in der Akademie) Energiebündel kommt in die toten, manchmal langweiligen klassischen Ballette der Nerv und Rhythmus des heutigen Lebens, etwas Lebendiges und Elementares, mit dem die Moskauer Ballerinen, angefangen mit Olga Lepeshinskaya, die Zuschauer hypnotisieren. ...
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Dass ich Marco Goecke einmal zu meinem «Hoffnungsträger» 2006 ernennen könnte, habe ich nach Kenntnis der ersten Arbeiten, die ich von ihm sah – «Blushing» bei Pina Bauschs Festival 2004, das Stuttgarter «Sweet Sweet Sweet» im Februar 2005 – nicht geahnt. Wirklich überzeugt von Goeckes weit überdurchschnittlichem Talent hat mich erst sein Ballett «Der Rest ist...
«Replacement» heißt das Stück, doch Vania Rovisco ist darin nicht zu ersetzen. Wie die anderen aus der Mannschaft Meg Stuarts gibt sie der gemeinsamen Arbeit Gestalt, und das heißt in diesem Falle: etwas zur Recherche beitragen, wenn nicht sogar sich selbst aufs Spiel zu setzen. Die Portugiesin aus Südafrika hat damit kein Problem. Sie scheut das Risiko nicht....
Zugegeben: Vladimir Malakhov übertreibt es damit. Gala, Gala und noch mal Gala, das ergibt kein sinnvolles Repertoire. Aber in München, London oder Hamburg sah man in dieser Spielzeit hinreißende Programmzusammenstellungen.
Lange standen Gala-Vorstellungen in dem Ruf, bloße Anlässe zum Ausführen von Abendkleidung zu sein (vor der Bühne) und zum Demonstrieren...
