ludwigshafen on tour
Dunkelheit, dann eine Leinwand, darauf ein roter Punkt, pulsierend wie ein Herz. Plötzlich taucht Shantala Shivalingappa aus der Finsternis auf, eine zierliche, beinahe gotisch-sakrale Figur: «Es war einmal, bevor die Zeit Zeit war, da war alles nichts, und das alles, das nichts war, begann.» So hebt «AM I» an, die jüngste Produktion des australischen Choreografen Shaun Parker, dessen Company sich beim Wolfsburger «Movimentos»-Festival erstmals in Deutschland präsentierte.
Im Gepäck hatte sie die existentielle «ICH»-Befragung, die Bilderrätsel an Bilderrätsel reiht und dabei die Evolutionsgeschichte aufs Hinreißendste mit allen erdenklichen Schöpfungsmythen kreuzt. Bis Shivalingappas letzte Worte verklungen sind: «Alles ist eins, alles verbunden.»
Eine gute Stunde lang wandert das Publikum mit den acht Akteuren über die Kontinente von Anatomie, Genetik, Religion, Psychologie und Soziologie ohne es recht zu merken. Denn Parkers Inszenierung verwandelt abstrakte Zusammenhänge in ungemein sinnliche Allegorien. So erhellt nach Shivalingappas Auftakt ein Lichtblitz den Raum. Aus dem allmählich abflauenden Scheinwerferschock schälen sich vier schwarze Silhouetten, deren Armballett die ...
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Tanz November 2015
Rubrik: kalender und kritik, Seite 38
von Dorion Weickmann
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