Gudrun Lange: «Die schnittige Menge»
Fernseher, Sofa, Sessel, Tisch: Das sind die Fixpunkte im Wohnzimmerkosmos. Um sie kreist das Leben der deutschen Musterfamilie aus Vater, Mutter, Kind. Es sei ein reales «deutsches Durchschnittswohnzimmer» mit typischer Mobiliaranordnung auf der Durchschnittsfläche von sechs mal vier Metern. So hat es die Werbeagentur Jung von Matt ermittelt.
Dieses Modell – platziert auf vier rollenden Podien – und die Umfrageergebnisse einer Ikea-Studie über die Aktivitäten in der guten Stube nimmt Gudrun Lange als «gültige» Prämissen für ihre «Schnittige Menge» auf Kampnagel in Hamburg, um die erhobenen Fakten und damit die Königsdisziplin der Statistik so humorvoll wie ziemlich redundant und zahm ad absurdum zu führen.
Sie beginnt quasi bei null. Die Musterfamilie richtet sich auf den Podien nach Plan mit selbst montiertem Tisch und Serienmöbeln ein. «Momentan ist richtig, momentan ist gut», grunzt behaglich dazu Herbert Grönemeyer aus den Boxen. Drei Bilder von entspannendem Musikhören im Lehnstuhl: «Papa» Jo Kappl lässt locker die Hände im Takt mittanzen, «Sohn» Markus Pendzialek memoriert fingerschnippend einen Text. «Mama» Gudrun Lange dreht die Regler auf, um die Regeln «weiblicher ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tiefer kann ein Kopf nicht hängen; saft- und kraftloser können Arme kaum schlenkern. Wer der Loser ist, sieht man auf den ersten Blick. Petruschka, diese traurige Spaßmacherfigur, hat weder bei einer Ballerinapuppe noch gegen seinen Konkurrenten Mohr eine Chance. Bei Michail Fokin und Igor Strawinsky war die Sache 1911 in etwa einer knappen Stunde abgefeiert. Im...
Auch die Theaterwissenschaft kennt den Wettbewerb: Wer kann am längsten über die 50-minütige Choreografie «Café Müller» von Pina Bausch gescheit formulieren? 70 Seiten sind der aktuelle Rekord, aufgestellt von Julia Stenzel in ihrer Dissertation «Der Körper als Kartograph?». Zu Recht zieht sie gegen die Metaphernseligkeit anderer Autoren los, die beim Schreiben...
Stumm nach unten gestreckte Daumen zwischen stehendem Applaus am Uraufführungsort Kaaitheater in Brüssel: Ihr aller Belgier Alain Platel, ihr aufgeräumter, feinfühliger, immer so nachdenklicher Leithammel der Ballets C. de la B. ist ausgebüxt aus der Heilanstalt seiner Leidens- und Sozialkonflikte, er prangert nicht mehr Israel an («Wolf»), schmerzt nicht mehr mit...
