Was ist schön?
Spaziert man vom Dresdner Hauptbahnhof zum Deutschen Hygienemuseum, also vom Symbol der verlässlichen deutschen Pünktlichkeit zur Weihestätte des deutschen Gesundheitsgebots (Unpünktlichkeit und andere Unreinlichkeiten hasst der deutsche Small Talk), gelangt man zuerst in die Mary-Wigman-Straße, durchmisst die Gret-Palucca-Straße, streift die Dore-Hoyer-Straße, um in einen schönen Park zu gelangen. Hier stellt das Museum der deutschen Hygienekunst noch bis Januar 2011 die Frage: «Was ist schön?».
Der lange Flur drinnen wurde verspiegelt, das Licht so gedimmt, dass keiner sich selbst anstarrt. So schön ist man ja nicht, schön ist auch die Ausstellung nicht: Wartesaal-Atmosphäre, Pappkartons, überall Videoscreens. Schön ist das Ballett.
Aber warum? Der für Schulklassen organisierte Parcours zur Schönheit beginnt in etwa da, wo frühere Jahrhunderte die Schönheit vermuteten, bei den Kurtisanen, den Geishas der Europäer, zwischen die ein kultivierter Kurator auch die Solotänzerin Lola Montez geschmuggelt hat, weil sie die Mätresse von Ludwig I. von Bayern war. Schön ist erst, wer von vielen begehrt wird. Und? Wird die Ballerina begehrt?
Eine Schautafel – Quelle: Dr. Sommer, «Bravo» – ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Nein, sagt Angelin Preljocaj, er werde keine Kompromisse eingehen. Mögen auch zehn Tänzer – die Hälfte der Besetzung – vom Bolschoi-Ballett kommen, in seinem neuen Stück wird niemand auf Spitze steigen. Die Interpreten aus Moskau genießen ihre Begegnung mit dem zeitgenössischen Tanz. Nicht, dass es ihnen leichtfiele. Beim Improvisieren fragen sie sich ständig, ob...
Schlosstheater Fulda, Geflüster in den Reihen. «Is die nackisch?», fragt die alte Dame ihre Nachbarin, während auf der Bühne zwei Männer und eine Frau eine akrobatische Zärtlichkeit tanzen, wie man sie hier noch nicht gesehen hat: «Ménage à trois» von Elisa Monte. Wenn die Dame nur wüsste oder ahnte, was sonst auf den Bühnen der Welt getanzt wird. Man würde sich ob...
Ein Exsportler wird derzeit durch die Talkshows gereicht. Balian Buschbaum heißt der Mann, ein drahtiger Kerl mit Bürstenhaarschnitt, der das Publikum zu Lachsalven hinreißt. Offenherzig berichtet Buschbaum, wie es sich anfühlt, ein Mann zu sein, ja, wie er überhaupt dieses rettende Ufer erreicht hat und seitdem seine Virilität genießen kann: «Es gibt eine kleine...
