Ein Brief aus Stockholm

Renate Klett beim schwedischen «show off»

Tanz - Logo

Stockholm im Dezember: Es ist kalt, aber strahlend blauer Himmel, klare Luft, eine ferne, blasse Wintersonne. Am Konzerthaus sammeln sich die Menschen, um die Anfahrt zur Nobel­preis­feier zu beobachten: 1700 geladene Gäste in Frack und Abendkleid. Diplomaten können bis zur Treppe vorfahren, die anderen müssen zu Fuß dorthin, die Königliche Familie benutzt einen separaten Eingang. Außer einem Hubschrauber und ein paar Polizisten mit Absperrseilen gibt es keinerlei Sicherheitsmaßnahmen – glückliches Land, das keine Angst vor Terroristen hat.


Stockholm ist eine schöne Stadt, sympathisch, sauber und ein bisschen langweilig. So sind auch die meisten Aufführungen, die wir bei show off zu sehen bekommen, vor allem letzteres. Der Show­case verspricht, in zwei Tagen das Beste an schwedischem Tanz zu zeigen. Kenneth Kvarn­ström, neuer Leiter des Dansens Hus (siehe ballet-tanz 8-9/04), will so internationale «Einkäufer» für die heimische Produktion interessieren – über hundert von ihnen sind gekommen, aus ganz Europa und darüber hinaus. Aber wenn das Gezeigte wirklich «Das Beste» ist, dann hat der schwedische Tanz jenseits von Mats Ek nicht viel zu bieten.
Die Veranstaltung ist perfekt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2005
Rubrik: On Stage, Seite 47
von Renate Klett

Vergriffen
Weitere Beiträge
Im Garten der Lüste

«Take my lovely illusions», singt Marlene ­Dietrich. Wer noch Illusionen hat, ver­gisst sie am besten, denn bei Stijn Celis geht es gleich zur Sache. Zu Beginn seines Stücks «Hidden Garden» lässt der Berner Tanzdirektor die Tänzer nackt auftreten und muntere Blicke ins Publikum werfen. Der paradiesische Zustand dauert nicht lang. Bald liegen auch die Seelen und die...

Neue Medien

Der deutsche Videotanzpreis der SK Stiftung in Köln wird biennal vergeben. Nun liegt eine DVD der Gewinner-Filme seit 1998 vor, dazu die nominierten Filme seit 2000. Nach wie vor am eindrucksvollsten, längsten, durchdachtesten, auch aufwändigsten ist Stephanie Thierschs «Georgia» von 2002, die als einzige Produktionsgelder von arte, ZDF und 3Sat erhielt, um im...

Das andere Schwarz

Ein Titel, der sich nur mit Sonderzeichen schreiben lässt als ­Beweis für den Willen zum Futurismus. Ja, das Markenzeichen von Système Castafiore sind entrückte, groteske Fantasy-­Welten.  
Ein Ball am Hof, eine Burg. Körper, die reihenweise in den Abgrund stürzen, ein Roboter in Käferform, ein König, der mit einem Schlauch beatmet wird. Sexspiele aufgeblasener...