manuel roque
ist ein Riesentalent, ausgestattet mit viel Theatererfahrung und einem Körper von immenser Spannkraft. Geboren in Frankreich, kam er 1998 im Alter von 18 Jahren nach Montreal, wo er zunächst die Zirkuskünste, dann Ballett und zeitgenössischen Tanz erlernte. Ihm zuzuschauen, ist das reine Vergnügen, auch weil er sich rückhaltlos in jedes Projekt hineinwirft, das seinen Weg kreuzt.
Aber er hat bisher keine größere Herausforderung angenommen als die, die er sich selbst mit dem Solo «Data» beschert hat.
Eine tiefgründige, starke, handwerklich großartige Performance, in der Roques Charisma immer wieder aufblitzt. Seine dahinfließenden, mal zarten, dann wieder harten Bewegungen betonen Gewicht, Kraft, Schwerkraft und zugleich die Verletzlichkeit des Körpers. Über atavistische, fast tribale Figurationen erkundet Roque Dynamik, Spannung und Gegenspannung physischer Zustände. In einer denkwürdigen Szene reißt er den Mund auf zum stillen Schrei, ist dabei indes äußerst subtil – ein Bild, das den ganzen Raum zu füllen scheint. Mit höchster Kunstfertigkeit verwandelt sich Roque von einem Augenblick zum nächsten in eine Skulptur – und ebenso schnell zurück in ein menschliches Wesen.
Roque fällt ...
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Tanz Jahrbuch 2015
Rubrik: die hoffnungsträger, Seite 176
von Philip Szporer
Die zurückliegende Saison stand in Sankt Petersburg ganz im Zeichen verschiedener «Raymonda»-Ereignisse. Im November 2014 verhalfen Studenten der Waganowa-Akademie den «Raymonda Variations» von George Balanchine zur russischen Erstaufführung. Im Mai gab es das sensationelle Debüt von Alina Somova in Petipas «Raymonda» am Mariinsky zu sehen, im Juni noch einmal...
Ein denkwürdiger Moment: Als sich 2001 im Londoner Royal Opera House der Vorhang nach dem ersten Akt senkt – es ist Alina Cojocarus Debüt als Giselle an der Seite ihres Partners Johan Kobborg –, blicke ich mich im Saal um und sehe etwas, das ich schon viele Jahre nicht mehr erlebt habe: Zuschauer, die sich die tränennassen Gesichter trocknen.
Alinas Wahnsinns-Szene,...
Es gab beim letztjährigen Berliner «Tanz im August» mit Marcos Moraus La Veronal ein Ensemble, das später als Shooting-Truppe der Saison herumgereicht wurde. Mit Recht. Was Morau in «Siena» mit wunderschönen Tänzerinnen in einem Museumsambiente – Tizians «Venus von Urbino» an der Wand – entfesselte, war so fein anzusehen wie spannend rätselhaft. Zu barocken Klängen...
