tanzen in auschwitz
Sie hätten sich begegnen können. Charlotte Salomon wurde am 10. Oktober 1943 ins KZ Auschwitz eingeliefert. Zur gleichen Zeit wird Roosje Glaser zum Dienst an den Gasöfen eingeteilt. Schon zuvor als Jüdin mit der Nr. 62472 gebrandmarkt, soll sie Häftlinge beruhigen, wenn es zum «Duschen» geht: eine Tätigkeit, die sie nur deshalb verkraften kann, weil sie sich von allen Empfindungen und Eindrücken total befreit.
«Dissoziation» nennen das die Psychologen, eine Überlebensstrategie, die in diesem Fall so lange funktioniert, bis die Holländerin unter den Opfern eine ihrer Cousinen entdeckt. Roosje bricht zusammen und bittet mit dem Mut der Verzweiflung um eine andere Arbeit. Mit der Chuzpe, die ihr schon in der Heimat behilflich war, und einem Charme, der offenbar etwas absolut Entwaffnendes gehabt haben muss, schlägt die Tanzlehrerin den zunächst sprachlosen Bewachern vor, ihnen die neuesten deutschen Tänze beizubringen. Schließlich tanzt Roosje für ihr Leben gern, und das durchaus im doppeldeutigen Sinne.
Unter dem Titel «Die Tänzerin von Auschwitz» erzählt Paul Glaser ebenso authentisch wie anschaulich indes nicht nur die «Geschichte einer unbeugsamen Frau». Im Gegenzug erzählt er ...
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Tanz April 2015
Rubrik: produktionen, Seite 11
von Nicole Strecker
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