Heinz Spoerli: «Lettres intimes»

Zürich

Tanz - Logo

«Ich bin neugierig, wie ‹Intime Briefe› wirken werden. Es ist meine erste Komposition, deren Töne durch alles Liebe glühen, was wir miteinander erlebt haben. Hinter jedem Ton stehst Du, lebhaft, unbändig, liebevoll. Der Duft Deines Körpers, die Feuerglut Deiner Küsse – eigentlich nicht – der meinen. Aber die weiche Zartheit Deiner Lippen. Meine Töne küssen Dich. Rufen Dich leidenschaftlich herbei.» So schrieb Leoš Janácek am 15. April 1928 an Kamila Stösslová, in die er sich 1917 als 63-Jähriger verliebt hatte. Sie war 38 Jahre jünger als er, verheiratet, er ebenfalls.

Die alte Geschichte. Während andere Alte sich mit ihrer Sehnsucht für das (unerreichbar) junge Fleisch zum Toren machen, schrieb Janácek seine größten Kompositionen, darunter prominent: das Streichquartett Nr. 2 «Intime Briefe». Zu der Zeit hatte er sich bereits elf Jahre lang Tag und Nacht für die junge Frau verglüht und um 700 Briefe geschrieben, die erst 1990 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden.
«Intime Briefe» ist eine beeindruckende Liebeserklärung an die Muse, packend und emotional. Von diesem Wirbelsturm der Emotionen ist in Heinz Spoerlis «Lettres intimes» tatsächlich auch was zu sehen. Aber zu ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Oktober 2009
Rubrik: Kalender, Seite 48
von Lilo Weber

Vergriffen
Weitere Beiträge
Valentina Savina

Manche Geburtstage haben es in sich. Am 6. Juni wurde Valentina Savina siebzig, und das Staatsballett Berlin würdigte seine Chefballettmeisterin zu mitternächtlicher Stunde mit einem «Happy Birthday», gesungen in 32 Sprachen. Dass der Jubel-Akt nach einer «Onegin»-Aufführung nicht auf der Bühne stattfand, sondern im Kasino der Staatsoper, ließ sich noch irgendwie...

Boyzie Cekwana: «Influx Controls: I Wanna Be Wanna Be»

Was braucht sich einer mit einer Bombe am Leib noch zu schminken? Vor dem Allmächtigen, so haben wir gelernt zu glauben, zählt derlei ohnehin nicht. Da werde nicht nach Nasen- oder Körperform unterschieden, nach Hautfarbe ohnehin nicht, sondern nur: nach Taten. «Wenn alle Dinge gleich wären» – Boyzie Cekwana stellt es sich vor, während er sich das Make-up auflegt....

Do Animals Cry

Beziehungskisten sind wie Ziehharmonikas. Zeit und Raum scheinen sich in ihnen auszudehnen oder zusammenzuziehen. In ihren Zwischenräumen vergisst man die Zwischenzeit. So beschrieb es jüngst der schwedische Dramatiker Lars Norén in seinem Stück «Pur». Ein junges, schüchternes Paar bezieht eine Wohnung, die ein langer, tunnelartiger Zwischenraum zu sein scheint,...