Marina Abramovic
Sie war die Queen von Avignon. Wer sank nicht vor ihrer Ausstrahlung auf die Knie, wenn sie durch die Straßen der Stadt der Päpste schwebte? Weil sie die First Lady der Performancekunst ist und in Avignon das Zepter schwang. Aber Marina Abramovic ist auch die Enkelin des Patriarchen der Serbisch-Orthodoxen Kirche, der von des Königs Leibarzt mit zermahlenen Diamanten im Essen ums Leben gebracht wurde. Die Nähe von Leben und Tod, das labile Spiel mit der Verletzlichkeit des Körpers sind in ihren Aktionen beinah genetisch veranlagt.
Und sie dominierte das Festival d’Avignon, das Jan Fabre als artiste associé diesmal programmierte. Trotz seines Hungers nach Spiritualität: der Krieger der Schönheit aus Antwerpen macht Kunst, selbst wenn er dann und wann sein eigenes Blut oder Sperma einsetzt. Abramovic aber ist Kunst. Das hat sie nicht nur proklamiert, sie hat es Jahr für Jahr bewiesen. Und: War Fabre die Zielscheibe aller Kritik, wurde Abramovic bejubelt. In «The Biography Remix» zieht sie eine stichwortartige Bilanz ihrer Person, ihres Lebens, ihrer Kunst. Sie will, sie kann, sie darf die Trias ihrer Existenz nicht auseinander dividieren: Es war die dritte Begegnung mit der eigenen ...
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59. Festival d’Avignon. Am Eröffnungstag sitzt der Kulturminister ganz vorn im Ehrenhof des Palais des Papes, um sich den neuen Fabre anzusehen. Die seit zwei Jahren gegen den Abbau ihrer Arbeitslosenversicherung protestierenden Künstler haben Karten für die hintersten Ränge ergattert, rufen von dort: «Minister raus!» Er geht nicht. Die Protestler brüllen weiter....
Der Begriff Entschleunigung, der schon abgedroschen war, bevor er in Mode kam, trifft es nur oberflächlich, was Rosemary Butcher macht. Sie zelebriert Kargheit und Repetition als Alternative zu Redundanz und Beschleunigung. Sie arbeitet dabei mit zwei Elementen, die unserer Zeit widersprechen: der Verlangsamung und der Verdichtung. Weil sie beim strukturellen...
Alfred Döblin schrieb dem Ballett in «Die Tänzerin und der Leib» (1910) eine brutale Deformation des Körpers und damit der Seele zu. Ernst Jünger feierte umgekehrt in «Über den Schmerz» (1934) die Zurichtung des Körpers als das Ziel jeder Seele. Und Rainer Maria Rilke betrachtete den Tanz als eine Verwandlung, in der das Sichtbare endlich unsichtbar und geistig...
