Paris im Mai
2008, auf den Straßen wälzen sich die Massen voran. Zur Arbeit, nach Hause, zum Vergnügen. Die größten Plakate verkünden den Kinostart von «Sex and the City». Im Mittelpunkt das Happy End am Altar. Die Braut trägt Weiß, um in aller Öffentlichkeit ihre Unschuld zu demonstrieren. Demonstrieren? Oh bitte, vierzig Jahre sind kein Fliegenschiss. Im nordfranzösischen Lille ergeht am selben Tag ein Urteil. Auf Antrag des Mannes wird die Ehe eines muslimischen Paars annulliert. Weil der Frau eine zugesicherte Eigenschaft fehlt. Ihre Unschuld.
Umtauschrecht für Frauen? Es ist das Erste, worüber Julie Nioche an diesem Morgen spricht. Die 30-jährige Choreografin, deren Feminismus ihr Humanismus ist, bleibt überzeugt: Auch wenn Anpassung eine Form der Intelligenz ist, die wir perfektioniert haben, ein Zurück ins Mittelalter gibt es mit uns nicht. Dabei denkt sie nicht nur an die Gleichberechtigung per Kreditkarte. Emanzipation im Tanz braucht keine Manolo Blahniks.
In der einzigen Kunstform, in der Frauen schon immer das Sagen hatten, heißen unsere Referenzadressen: Mechthild Großmann, die Vollblutmimin und Wahnsinnsfrau von Bauschs «Keuschheitslegende» bis zum Münsteraner «Tatort». Bettina ...
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Sergei Vanaevs radikale Umdeutung des Tschaikowsky-Klassikers für ein Dutzend hoch motivierter Tänzer in Bremerhaven erfüllt zwar nicht die Erwartungen an Spitzentanz und ans imperiale Prachtballett, erzählt aber konsequent, tragikomisch und verständlich das Drama unerfüllbarer Liebe. Die «Böse Fee» ist der dunkle verwirrende Sexus von rätselhafter Anziehungskraft...
Maren Witte studierte Literatur- und Kulturwissenschaft in Freiburg, Berlin und Berkeley (USA), wo sie auch Tanztechniken wie Release, Contact Improvisation und Tango Argentino trainierte. Sie promovierte an der Freien Universität Berlin mit einer Arbeit über die Wahrnehmung und Wirkung von Bewegung im Theater Robert Wilsons. Ihre Studien setzte sie über Tango und...
Der belgische Choreograf Sidi Larbi Cherkaoui und der britische Bildhauer Antony Gormley arbeiteten (mit Akram Khan) bereits an «Zero Degrees» sehr erfolgreich zusammen. Für ihr neuestes Stück liefert der junge polnische Komponist Szymon Brzóska die Live-Musik, und Cherkaoui erfüllt sich einen lang gehegten Traum: mit den Mönchen des Shaolintempels in China zu...
