begegnung
ist der Stoff, aus dem Theater gemacht wird. Der Autor begegnet einem Thema, die Choreografin einer Vorlage, der Tänzer einer Choreografie – bis zuletzt das Publikum auf eine Aufführung trifft. Jeder Entwicklungsschritt wird dokumentiert, auf Fotografien, in Filmen, für Archive. So verwandelt sich die Begegnung in Material, in eine Konserve, die das Lebendige des Augenblicks festhält – als erstarrte, musealisierte Form.
Tino Sehgal attackiert dieses Paradox, indem er es auf die Spitze treibt: Er bespielt Museen und Galerien, deren Besucher er als die eigentlichen Exponate betrachtet – und besteht darauf, dass nichts davon festgehalten wird (Seite 28). Es gibt keine Bilder, keine Videos, nichts, was von Sehgals Triumphen kündet. In der Bilderflut der Gegenwart taugt ein Bilderverbot gut zur Befestigung einer Ausnahmestellung. Den Künftigen bleibt auf diese Weise allerdings auch nur die Begegnung mit einem Sekundärspiegel – mit Texten, in denen das künstlerische Schaffen aufgehoben ist, wie gebrochen auch immer.
Ob wir in Texten auch deren Verfassern begegnen, ist eine Frage, über die sich Literaturwissenschaftler ausgiebig und mit Hingabe streiten. Wayne McGregor hat sie für sich und ...
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Tanz Juli 2015
Rubrik: editorial, Seite 1
von tanz-Redaktion
Ein aufrechter, dunkler Strich mit leuchtend blauen Augen bewegt sich lässig im Zwielicht des Cafés in Israels größtem Tanzzentrum auf seine Gesprächspartnerin zu, entblößt lächelnd weißblitzende Zahnreihen. Ohad Naharin begegnet den Menschen längst schon herzlich und zugewandt, hat sein einstmals ziemlich arrogantes Auftreten mit den Jahren der Reife völlig...
Die Anfänge seiner Choreografien schiebt Jefta van Dinther gern lang sam aus einem Nullpunkt heraus: aus der Reglosigkeit, wie einst bei «It’s in the air» (2009), dem Duett des Schweden mit Mette Ingvartsen. Oder aus der Ununterscheidbarkeit der Performer vom streunenden Publikum bei «The way things go» (2011); und diesmal aus völliger Dunkelheit und Stille. Ein...
Rose Breuss kommt aus Vorarlberg und hatte eine Karriere als Eiskunstläuferin vor sich, als sie mit 15 Jahren erkannte, dass ihr ein Leben zwischen Preisrichtern und Sportvereinen nicht genügen würde. Sie suchte stattdessen: eine Verbindung zwischen Intellekt und Motorik, zwischen Geist und Körper, und das in größtmöglicher Offenheit. Nach dem Abitur begann sie in...
