billinger & schulz
Erst küssten sie, dann schlugen sie – und beides taten sie ganz ohne Gefühl. Zärtlichkeit ohne Liebe, Gewalt ohne Hass. Das in Düsseldorf ansässige Choreografen-Paar Billinger & Schulz darf man derzeit getrost als Experten für motivations- und moralfreie Körper-Aktionen betrachten. Das Duo aus der akademischen Theaterschmiede in Gießen mag auf den ersten Blick ganz nett und wohlerzogen wirken – niedlicher Nachwuchs! Auf ihrer Bühne allerdings wird schon mal so erschöpfend gebusselt, gewürgt, geprügelt und gefoltert, dass man bald begreift: Höflichkeit ist die neue Provokation.
Vor vier Jahren luden Verena Billinger und Sebastian Schulz das Publikum zum «Romantic Afternoon» ein und zeigten eine Stunde lang promiskes Küssen einer Performer-Gruppe. Ein Knutsch-Happening als pure Soma-Technik, unabhängig von Geschlecht und Neigung. Nach ein paar stilsuchenden Arbeiten übers zeitgemäße Fühlen, Leiden, Meckern folgte zuletzt das Pendant und Gegenteil zur Körper-Fusion: die Destruktion.
Ein «Violent Event», in dem sich Billinger & Schulz mit sachlicher Forscherneugier diversen Gewaltpraktiken widmeten. Von der staatlich-politischen Gewalt der Waterboarding-Folter über die idiotische ...
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Tanz Jahrbuch 2015
Rubrik: die hoffnungsträger, Seite 158
von Nicole Strecker
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