Sehenden Auges
Sie trinken ihren Latte im Café «Eisenbergs» mit Blick auf die Sophiensäle. «Kuratoren arbeiten mit Leib und Seele», erklärt die eine Frau, jung, mit Sonnenbrille, in der sich der heiße Sonntagnachmittag spiegelt. Die zweite nickt und schreibt das Gesagte in ihr Notizheft. Und ich denke am Tisch daneben – mit Leib und Seele arbeiten, mit Haut und Haar dabei, wie Künstlerinnen und Künstler eben. Ist doch schön für sie, für die Kuratoren.
Und für uns, das Publikum? Ist es nicht schön, dass Kulturmanager Kopf und Kragen riskieren, um uns die eine, nämlich ihre Sicht auf die Kunst näherzubringen? Müssen wir uns nicht glücklich schätzen, in einer Zeit zu leben, da Kuratorinnen und Kuratoren für uns aus der Unmenge des Produzierten herauspicken, was für uns zu sehen wichtig ist?
Alle werden kuratiert
Und wie sieht es aus für die Künstlerinnen und Künstler? Ist es nicht schön, dass jemand ihre Kunst in einen «kuratorische[n] Gesamtkontext» setzt, «der über die künstlerischen Produktionen hinaus Wissen produziert», wie Anne-Cathrin Lessel und Hannah Pfurtscheller in ihrem Papier «Ein Dasein zwischen Künstler*[in] und Kurator*[in]? – Residenz- und Produktionsformate als ...
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Tanz Oktober 2018
Rubrik: Ideen, Seite 58
von Lilo Weber
Im Gazastreifen bringen Drohnen Überwachung, Bedrohung und manchmal den Tod. Der Tänzer Mumen Khalifa sitzt in seiner Wohnung vor der Webcam und erklärt dem Publikum im Theater des Ballet National de Marseille, dass er ohne das allgegenwärtige Sirren der Flugspione schwerer einschläft: «Sie sind unser Wiegenlied. Wenn man sie nicht hört, stimmt irgendetwas nicht.»...
Ein gutes halbes Jahr ist es her, dass der langjährige Artistic Director des New York City Ballet, Peter Martins, wegen mutmaßlicher körperlicher Übergriffe gegenüber Schutzbefohlenen von seinen Leitungspositionen zurückgetreten ist (tanz 1/18). Die Untersuchung führte seinerzeit nicht zu juristisch belastbaren Ergebnissen.
Nun sieht sich die New Yorker...
Das Theater träumt davon, dass eine Menge Mensch in ihm tobt und kocht. Die Stimmung ist famos, ist aufgeheizt, zum Bersten. Kaum aber wacht das Theater auf, muss es wieder dienen: der Kunst. Sasha Waltz ist früh aufgewacht. Ihr Halbschlafbäckchen träumte das Theater als Fest. Doch im Künstlersein steht ihr die wogende Menge der Feiernden nur im Weg. Sie hat...
