die lehrerin
Nach 22 Jahren als Tänzerin bei Pina Bausch unterrichten Sie den «unbekannten Körper». Was ist noch zu erforschen? Für Schauspieler, Tänzer, Menschen mit Behinderung gibt es immer Situationen, in denen sie von sich selbst überrascht werden – und sei es durch eine bestimmte Kopfneigung, die einer Haltung plötzlich eine ganz andere Bedeutung geben kann. Ich finde das interessant. Wenn ich professionelle Tänzer unterrichte, beruht das Training auf Technik.
Aber durch meine Ausbildung an der Folkwang-Schule, durch das Studium bei Jean Cebron und Hans Züllig, bin ich auf Labans Prinzipien gestoßen. Bei Pina war das ein wichtiges Werkzeug: Was bewirkt eine Geste, was macht welche Haltung aus?
Sie sprechen von «wahrer», auch von «motivierter» Bewegung. Beides hat mit der Arbeit mit Pina zu tun. Dabei hat sie uns nie belehrt und schon gar nichts erklärt. Nur ab und zu hat sie erzählt, was sie gesehen hat. Mich faszinierte das sehr, was sie sah, und wie sie es sah. Sie sah etwas, das ich als wahr wahrgenommen habe – in diesem doppelten Sinne.
Wie schaut man wahr? Indem man in der Bewegung nicht die Schönheit sucht, sondern die Wahrheit. Wird eine Bewegung für wahr genommen, ist sie ...
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Tanz Mai 2015
Rubrik: praxis, Seite 74
von Arnd Wesemann
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