der prozess
Ein Albtraum. Oder was? Als ob er das Kommende ahnte, wälzt sich Josef K., d. h. Flavio Salamanka, auf seinem Lager. Unruhig ist sein Schlaf. Wiederholt bäumt sich sein Körper auf, schlotternd vor Angst, während die Musik von Walter Fähndrich voller Seufzer ist. Noch ist Josef K. allein. Noch weiß er nicht, dass ihn womöglich jemand verleumdet hat. Er ist sich keiner Schuld bewusst. Aber er fühlt sich so beobachtet, seiner Selbst so entfremdet, dass er den eigenen Leib immer wieder «begreifen» muss. Schließlich kann es durchaus sein, dass er sich seinen «Prozess» nur einbildet.
Vielleicht halluziniert er ihn einfach, wie Davide Bombana im Programmheft meint.
Das nachgelassene Romanfragment – vor genau hundert Jahren von Franz Kafka geschrieben, von ihm selbst aber nur auszugsweise veröffentlicht – hat im Lauf seiner Rezeption die unterschiedlichsten Deutungen erfahren. Orson Welles hat es verfilmt. Philip Glass gab ihm erst vor wenigen Wochen die Form einer zweiaktigen Kammeroper. Mauro Bigonzetti nahm den «Process», wie sich der Text in der posthumen Veröffentlichung durch Max Brod noch nennt, an der Staatsoper Hannover als Vorlage eines Balletts. Ein Ballett nennt auch Davide ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Juni 2015
Rubrik: produktionen, Seite 12
von Hartmut Regitz
Und plötzlich wird er melancholisch? Ausgerechnet Thierry Malandain, der sonst so kecke, freche, mit sinnlich-erotischer Inspiration spielende Erneuerer stellt im Zweiteiler «Nocturnes» und «Estro» Weltschmerz und die Beziehung zum Tod in den Mittelpunkt. Die beiden neuen Stücke verbreiten keine Jubelstimmung, sind vielmehr durchdrungen von Romantik und...
war im Ballett der Städtischen, später Deutschen Oper von 1952 bis 1965 eine der markantesten Persönlichkeiten. Den schroffen, expressiven «Berliner Stil» Tatjana Gsovskys verkörperte sie grandios: Klein, energiegeladen bis hoch explosiv hatte sie eine Präsenz, die bis in den 3. Rang feuerte. Das extrem schmale Gesicht mit dem langen Kinn verstärkte ihre aufrechte...
Ihre Lebenslagen könnten kaum unterschiedlicher sein: Er irrt durchs Mittelmeer, sie dagegen harrt aus im heimischen Ithaka. Trotzdem haben beide das gleiche Problem: Sie sind die schärfsten Alphatierchen ihrer Gesellschaften und fast außerstande, sich gegen das Begehren der anderen zu wehren. Aber genau darauf kommt es an, jedenfalls wenn sich Choreograf Patrick...
