fahrstuhl-albträume
Bei Anruf Pizza
Die Bestellung ist noch Routine, die Lieferung endet im Labyrinth. Storm betritt die Bühne, ein Jobber mit der Pizzaschachtel in der hohlen Hand. Am Anfang ist er noch im Bilde, bildlich gesprochen. Auf der Bühne geht er imaginäre Treppen auf und ab. Eine gelbe Mütze auf dem Kopf, ein weites, weißes Hemd über rotem Pulli, gelbe Socken und rote Schuhe. Halb Smurfer, halb Bäcker, halb Lieferbursche. Mit der Pizzaschachtel in der Hand dringt er vor bis zum Fahrstuhl eines Berliner Luxushotels. Der steht in einem Film ohne Darsteller, die virtuelle Kulisse.
Hinten links hängt der Bildschirm in der Größe eines Heimkinos und an unsichtbaren Fäden hängt der Pizzaiolo wie die Marionette am Fadenkreuz des Puppenspielers. Nicht ganz so wie bei Kleists Parabel «Über das Marionettentheater», nach der Gott die Fäden führt und der Marionette, dem Menschen, das Bewusstsein einhaucht. Storm entwickelt eben nicht die schwerelose Grazie einer schwebenden Gliederpuppe. Er hechelt Hüfte, Ellbogen oder Füßen hinterher, die sich aus dem Körperverbund immer wieder lösen wollen.
Backspin, Skorpion und andere Figuren des HipHop hat er noch immer drauf, zeigt das auch. In erster Linie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Seit dem Kinoerfolg von «I Robot» – er handelt von humanoiden Haushältermaschinen, in deren Reihen eine «terroristische Fehlkonstruktion» Unterschlupf findet – erkennt man den gemeinen Roboter daran, das er stabil auf zwei Beinen steht und sich so devot verhält wie ein schüchternes Frauenzimmer aus dem 19. Jahrhundert. In Japan verehrt man weibliche...
Bukarest, die Hauptstadt Rumäniens, hat endlich ein Tanzhaus. Geleitet wird es von einem Künstler der freien Szene, Mihai Mihalcea – ein Umstand, der nicht sofort auf Gegenliebe des zuständigen Ministers Adrian Iorgulescu stieß. Erst die Intervention der Tanzszene, die eine demokratische Wahl ihres Repräsentanten zur Grundlage des Nationalen Tanzzentrums forderte,...
Meg Stuart choreografiert Doktorspiele. Bei «Visitors Only» (2003) baute ihr Anna Viebrock eine zweistöckige Klinik für Demenz-Patienten. In «Alibi» (2001) entstand eine grausam zitternde Ich-Verleugnung mit einer Kompanie, die seither bei jeder Schlussparty eines Stücks ins berühmte Meg-Stuart-Shaken verfällt. Um das Gruseln abzuschütteln, das in sie fuhr. Den...
