Jung, arabisch, wütend
Bagnolet liegt am östlichen Rand von Paris. Vom Büro der Rencontres Chorégraphiques Internationales de Seine-Saint-Denis zur Place de la République sind es Luftlinie fünf Kilometer. Mit dem Fernrohr müsste man ihn vom Hochhausdach sehen können, ein paar Zentimeter südlich davon die Bastille und die Place de la Nation. So nah ist der Rand an Frankreichs Zentrum. Von der Reibung, die er erzeugt, hören, lesen, sehen wir, seit vor knapp anderthalb Jahren in den französischen Vorstädten die Autos brannten. «Banlieue» übersetzen deutsche Medien gar nicht mehr.
Das Phantom scheint bekannt.
Wir sitzen im sonnigen ersten Stock einer Habitation à Loyer Modéré, kurz HLM – das ist einer dieser charmanten Sozialwohntürme, die man ähnlich auch in Berlin-Gropiusstadt findet. Wenn man, wie Festivaldirektorin Anita Mathieu und ihr sechsköpfiges Team, die ganze Etage belegt, ist es gar nicht mehr eng und deprimierend. Bei gutem Wetter. Die erste Frage drängt sich auf:
Sie arbeiten, aber wohnen Sie auch in der Banlieue? Nein, aber nah dran. Ich wohne vier Métro-Stationen von hier. So gravierend ist der Unterschied nicht, wie die Medien das erscheinen lassen. Banlieue ist nicht überall Getto. Es gibt ...
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