Der Lehrer: Manuel Liñán
Sie sind Mitte dreißig und leben und arbeiten in Madrid. Wie definiert sich Ihre Beziehung zur Tradition des Flamenco?
Ich lernte in strikt traditionellem Rahmen, ging von Kind an in Flamencoschulen und wuchs im Ambiente von peñas flamencas, tablaos, tertulias etc. auf. Meine Beziehung zum Flamenco ist allumfassend, und er bietet mir eine ganze Palette von Ausdrucksmöglichkeiten, um mich als soziales Wesen zu verwirklichen. Aber manchmal gefällt es mir auch, mit der Tradition zu kokettieren.
Ich habe auch immer den Dialog mit anderen Formen des Tanzes gesucht, von Ballett bis Hip-Hop und anderen zeitgenössischen Stilen. Künstler sein heißt, ständig Neues und anderes zu entdecken, um seine Ausdrucksmöglichkeiten zu erweitern – ohne die Wurzeln zu vergessen. In meinem Stück «Nomada», das ich vor Kurzem in Jerez aufgeführt habe, trage ich zum Beispiel ein Frauenkleid mit bata de cola, dem Tellerrock, und Dreieckstuch, was bis dahin Frauen vorbehalten war.
Sie tanzen, im Gegensatz zu anderen, eher gelöst. Ihr Stil lässt ein Gefühl von Freiheit entstehen und vermittelt, etwa in «Sinergia», einem Solo mit Musikern und Sängern, den Eindruck, dass Sie den Flamenco tanzend ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Juni 2014
Rubrik: praxis, Seite 74
von Thomas Hahn
Die 100. Wiederkehr der Uraufführung des Balletts «Le Sacre du printemps» von Igor Strawinsky und Vaslav Nijinsky ist kaum vorbei. Die Fülle an choreografischen Neubearbeitungen und Symposien, die auch die freie Tanzszene integrierte, wird «Josephs Legende» nicht zeitigen – Richard Strauss’ wichtigstes Ballett, das im Mai 1914, ein Jahr nach dem «Sacre», in Paris...
Brit Rodemund, von Anita Berber gibt es eher wenige Zeugnisse.
Aber es existieren Zipfel, an denen man sich festhalten kann. Wir haben uns auf den tschechischen Kritiker Joe Jencík konzentriert. Er war Tänzer und Choreograf, der die Stücke von Anita Berber so beschreiben konnte, dass man als Tänzer noch heute etwas mit seinen Formulierungen anfangen kann. Wir haben...
Auch als Volker Eisenach 2006 bei «wilder wein», einem Projekt für Jungen, Musik von Rammstein einsetzte, ging es um Gefühle zwischen Liebe und Hass. Radikaler freilich wallen die Emotionen bei ihren professionellen Kollegen in Schwerin. Denen hat Ballettchef Sergej Gordienko ein Rockballett auf den in knappe Lederkluft gezwängten Tänzerleib maßgeschneidert....
