bühnenabschied

aurélie dupont

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Es ist nur ein winziger Augenblick, der Wimpernschlag einer Bewegung, und doch ändert die Art, wie die Frau ihre Hand flehentlich nach dem Mann ausstreckt, einfach alles: die Beziehung des Paars, die Temperatur des Stücks, den Blick des Zuschauers auf die Szene. Wer Aurélie Dupont in Jerome Robbins‘ Liebestriptychon  «In the Night» gesehen hat, weiß, warum die Danseuse étoile der Pariser Oper die tragischen Rollen favorisierte.

Neumeiers Kameliendame, MacMillans Manon, Sasha Waltz‘ Juliette – das sind die Heldinnen, denen Aurélie ihr schönes Gesicht lieh, deren Begierden durch ihren Körper gingen, deren Sehnsüchte und Schmerzen aus ihm sprachen, so sublim getönt, wie es die wenigsten Ballerinen ihrer Generation vermochten.

Die Ausbildung an der Ballettschule der Opéra behielt sie als das schwärzeste Kapitel ihrer Laufbahn in Erinnerung. Doch danach stieg ihr Stern steil empor, bis er am Silvestertag 1998 zu den glitzerndsten Ballettgestirnen aufgeschlossen hatte. Seitdem tanzte sie nur noch – «à mon plaisir» – zu ihrem eigenen Vergnügen! Glücklich, wer ihr dabei zusehen durfte.
Sie heiratete den Kollegen Jérémie Bélingard, bekam mit ihm zwei Kinder und versicherte stets, wenn sie ...

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Tanz Mai 2015
Rubrik: menschen, Seite 28
von Dorion Weickmann

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