Oslo on tour: Marcos Morau «Pasionaria»
Der Mond rast auf die Erde zu, sekündlich kommt er näher, zwischen zwei Wimpernschlägen scheinen sich seine Gebirge höher zu türmen und die Ozeane dazwischen noch endloser zu dehnen. Die Tänzer jedoch nehmen davon gar keine Notiz, obwohl der Trabant sich genau vor ihrem Treppenhausfenster zu galaktischer Monstrosität bläht. Wahrscheinlich sind sie viel zu sehr mit ihrem eigenen Albtraum beschäftigt. Ausgelastet mit unablässigem Treppauf-Treppab-Gerenne und den seltsamen Geschehnissen im Foyer, das die Bühne des Berliner Hebbel am Ufer einnimmt.
Eine sandfarbene Ledercouch steht da herum, links hängt das Telefon, rechts knallt die Tür. In dieser spartanischen Möblierung haust: das Grauen. Und das ist unbedingt sehenswert.
Der Choreograf Marcos Morau- und seine in Barcelona stationierte Truppe La Veronal sind für Überraschungen gut, seit sie 2014 mit «Siena»- den ersten Hit landeten. Damals stand Alfred Hitchcocks «Vertigo» Pate, später schwebte Luis Buñuels- «Würgeengel» über «Voronia». «Pasionaria», beim Berliner «Tanz im August» als Deutschlandpremiere offeriert, ist mit Kino-Stimmungen gefärbt, deren Urheber Stanley Kubrick, Andrei Tarkovsky und Lars von Trier heißen. Kubricks ...
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Tanz Oktober 2018
Rubrik: Kritik 10/18, Seite 48
von Dorion Weickmann
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