Früher...

Das Erben und die Erhaltung des Erbes sind Last wie Lust: Eine Debatte um Musealisierung, lebende Archive und Re-Enactment.

Tanz - Logo

tanzten wir Tänze von früher. Heute auch. Stirbt eine Choreografin wie Pina Bausch, ein Meister wie Merce Cunningham, ist der Erhalt des «immateriellen» Erbes erste Tänzerpflicht und wird zur Daseinsberechtigung von Kompanie­mitgliedern und Ballettmeistern. Schulen sollen erhalten, Gastspiele fortgesetzt werden. Das Vergangene, das weitergereicht werden soll, wird von den Körpern einstiger Tänzer in heutige umgetopft – ein ganz natürlicher Vorgang. Stiftungen übernehmen das Recht auf die reine Lehre.

Nach dem Tod von Pina Bausch bewahren eine Doppelspitze des Tanztheaters Wuppertal, ein Ensemble, unzählige Videos und Zeitzeugen ihr Werk vor dem Tod. «Musealisierung» nennen das die einen, «lebende Archive» die anderen. Ab Seite 52 können wir in einem Streitgespräch dokumentieren, dass alte Erfolge nur nachzutanzen Jüngere nicht interessiert, während es Älteren um das Kulturerbe selbst geht. Sie kämpfen gegen das Verschwinden ihrer Arbeit, wohingegen der Nachwuchs Platz für Neues will.

Der Weisheit großer Schluss heißt möglicher­weise Re-Enactment – die neue, produktive Nutzung des Alten, sei es bei Pina Bauschs «Kontakthof» durch Teenager oder Senioren, sei es durch Anne Collod oder ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz März 2010
Rubrik: Editorial, Seite 1
von

Vergriffen
Weitere Beiträge
4 Elements, 4 Seasons

Frischer Wind weht durchaus wörtlich, wenn im «Sommer» auf einmal «der Nord ins Gesicht» bläst, wie es im «Sonetto Dimonstrativo» heißt, das Antonio Vivaldi seinen «Vier Jahreszeiten» voranstellt. Brigitte Kramer und Jörg Jeshel lassen dabei sich und die Kameras von der stürmischen Inszenierung so mitreißen, dass der Zuschauer versucht ist, sich am Stuhl...

Chouinard

Vancouver lässt sich nicht lumpen: Die Olympischen Winterspiele umschließend, gibt es seit Januar eine «Cultural Olympiad», die noch bis März alle mögliche Kunst in der westkanadischen Metropole präsentiert. Mit dabei ist Marie Chouinard aus Montréal, die in Vancouver ihr neues Stück zur Uraufführung bringt. In «The Golden Mean (Live)» will sie Bewegungen zeigen,...

Die Jungs aus der Ukraine

Das Royal Ballet hat zwei auf seiner Gehaltsliste stehen, die aus der Ukraine stammen. Einer ist der schöne Ivan Putrov, ein längst etablierter Tänzer mit einer ganzen Reihe wichtiger Rollen in seinem Portfolio. Der andere ist der kommende Star: Sergei Polunin, der auf den jüngsten Postern und Broschüren für die Kompanie mit einem perfekt ausgeführten Jeté vor dem...