Trug am Trog
Viel Anspruch
liegt auf dem Kaffeesatztanzboden. Stellen wir uns den Tänzer als ein Pferd in einem leeren Swimmingpool vor, dem man zuruft: Komm raus aus dem Pool. Doch mit bloßen Hufen ist der hohe Beckenrand nicht zu erklettern.
Mindestens ebenso tief wie der Pool sind die Gedanken, die sich Künstler machen, um hinauf in den Kreis der Gartenparty-Angesagten zu kommen.
Aber wie? Erst vor einem Jahr noch gefeiert, ist es heute zum Beispiel nicht mehr angesagt, auf der Bühne zu sagen: «Ich liebe an Männern, dass sie keine Frauen sind», um die Partnerin dabei so anzuspringen, dass sie krachend zu Boden geht. Die Mode des Aktionssatztanztheaters verging in weniger als einem Ausbildungsjahr. Auch Konsensfähiges, etwa der konzeptuelle Tanz, wurde unter schweren Beschuss gelegt. Selbst den berüchtigten Sieg des Dilettantismus über die tänzerische Perfektion trug man zuletzt mit einem Doppel-K.o. aus der Arena.
«Man nehme ...», lautet das derzeit beliebteste Rezept in der Kaffeesatzbackstube, «Interaktivität» und lasse das Publikum einen Song auswählen, zu dem, «Autorschaft», der Tänzer die Bewegungen seiner tanzenden Freunde herzeigt, damit er, «Authentizität», gemocht wird wie ein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In 1985, at a conference on Espinoza, Jorge Luis Borges evoked one of Joseph Conrad’s novels, in which a navigator, who is the narrator, “sees something from the bow of his ship. A shadow, luminosity at the farthest corner of the horizon: the coast of Africa. Far beyond, there are sorts of fever, empires, the Sahara, big rivers explored by Stanley, Livingstone, and...
Er war einer der hartnäckigsten Menschen, die mir je begegnet sind. Der hartnäckigste der Schweizer Tanzszene, der Zürcher ohnehin. Was wird sie jetzt ohne ihn tun? Wolfgang Johannes Brunner ist 75-jährig seinem Krebsleiden am 5. Januar erlegen. Damit hat Zürich einen unermüdlichen Streiter für die Sache der Tanzschaffenden verloren und einen Mann, der zur...
Walking on the streets of Kyoto I bump into a group of girls all dressed in the same style – mini skirt, tall high heel boots, hair dyed blonde (all exactly the same color) and wearing t-shirts that say “Fuck cool” or “You think I’m hot wait to see me riding my bike.” The girls were dancing to the sound of a boom box (the politically correct term for ghetto...
