The greatest show on earth
Das Publikum sitzt hart und eng beieinander im Rund, wie in einem Vorstadtzirkus. Statt des Zeltes prangt in großen Westernlettern die Losung ringsum: THE GREATEST SHOW ON EARTH. Alles ist rund, wirkt global, dabei so zeitgenössisch, so demokratisch, ja volksnah. Statt einer Manege mit einem Duft wie aus dem Pferdestall sehen wir eine blitzblanke Drehbühne. Zwei Musiker aus Frankfurt am Main geben die Zirkuskapelle. Sie nennen sich Les Trucs. Links und rechts ihrer Empore wurden wir zuvor durch einen Vorhang aus Lametta eingelassen.
Ein junger Herr mit Hosenträgern über dem nackten Oberkörper hielt ihn uns artig auf. Jetzt stelzt eine sehr zierliche Zirkusdirektorin auf Stöckeln herbei und tschilpt: «Meg Stuart! Eisa Jocson! Antonia Baehr! Jeremy Wade!» Stars in der Manege! Wann in der Geschichte des zeitgenössischen Tanzes wurden Künstler je als lebende Sensationen ausgerufen? Sie haben es verdient, behauptet die Direktorin: als «Performer ohne Netz und doppelten Boden». Die Kunst ist ein Risiko. Aber merkt man der Kunst ihr Risiko an, ist sie dann noch: Kunst?
Les Trucs eröffnen mit einem Schlager, Jahrgang 1968: «Hereinspaziert, hereinspaziert! Hier sehen Sie Sensationen! Für ...
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Tanz Oktober 2016
Rubrik: Produktionen, Seite 12
von Arnd Wesemann
im november: claire cunningham
Claire Cunningham hat ein Handicap. Wenn sie tanzt, dann mit Krücken. Jess Curtis hat nun gemeinsam mit ihr ein neues Werk geschaffen: «The Way You Look (At Me) Tonight». Der Titel bringt es bereits auf den Punkt: Wenn wir einen Körper sehen, bewerten wir ihn. Aber nach welchen Maßstäben? Nach welchen Kriterien beurteilen wir...
Wenn die Körperspannung nachlässt, tiefes Durchatmen einsetzt, der Blick alles, was hinter dem Horizont sein mag, zu durchdringen scheint, Wärme im Körper aufsteigt, wenn sich die Kiefermuskeln entspannen und das eigene Lächeln sachte spürbar wird … Das ist es, was ich intuitiv mit «frei sein» verbinde.
Freiheit geschieht. Nach einer langen Steigung beim Wandern,...
Die Tanzszenen der USA und Europas sind in stetigem Austausch miteinander – vor allem, was das Ballett betrifft. Auch eine Handvoll zeitgenössischer Choreografen pendelt inzwischen von New York aus regelmäßig über den Ozean. Zu ihnen zählt Trajal Harrell, dessen Voguing-Spektakel auf allen Festivals zwischen Hamburg und Wien herumgereicht werden. Miguel Gutierrez...
