ljubljana: iztok kovač
Igor Strawinsky träumte einst, er säße in einem Raum mit acht Leuten, die auf ihren Instrumenten eine «sehr gefällige Musik spielten». Das dreisätzige «Oktett» für Trompete und Fagott (1922/23), das ihm hernach gelang, gilt als Geburtsstunde des europäischen Jazz und Beginn des Neoklassizismus in der Musik. Hier geht es also mal nicht um den 100. «Sacre du printemps», auch wenn bei Iztok Kovač keiner was dagegen hätte. Denn seit 1993, der Gründung der slowenischen Kompanie En-Knap, frönt der gelernte Bergbau-Ingenieur einem besonderen Hang zur Tiefe.
Als Choreograf legt er die karstige Komposition von Strawinsky frei und quert in «Ottetto. 8 Swings for His Highness», gesehen beim Berliner Festival «Tanz im August», wie auf unterirdischen Strömen die Schichten der Musik. Erst zum Schluss reicht das achtköpfige Bläser-Ensemble Festine aus Ljubljana das eigentliche Werk dar. Kovač zermalmt es bis dahin nach allen Regeln der Dekonstruktion und setzt es so transparent zusammen, als sei es aus Glas.
Mit diesem Verfahren feierte er noch Ende der 1990er-Jahre fulminante Tournee-Erfolge. Seine rigide Ernsthaftigkeit schloss ihn aber zwischenzeitlich vom Festivalbetrieb aus, auch weil er bis ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Oktober 2013
Rubrik: kalender und kritik, Seite 48
von Arnd Wesemann
newcomer_________
adam linder
«Context rules everthing around me.» Adam Linder schwingt den Besen. Er befreit die Bühne von allem, was über sie gegangen oder getanzt ist, um danach einen sinnlich-parodistischen Diskurs anzuzetteln. Was sagt uns der Rap als Antwort auf das Theater und dessen festgefahrene Erzählformen? Das fragt der in Berlin lebende Australier in...
Dem Tanzerbe zu huldigen, ist in der Ballettwelt nachgerade eine Pflichtübung. Aber was wurde Fabian Barba vor wenigen Jahren noch bestaunt, als er erzählte, er wolle Mary Wigmans Tänze – Entstehungszeit frühes 20. Jahrhundert – rekonstruieren. Heute liegt so was: voll im Trend. Dabei geht es der Sache nach um den Blick zurück innerhalb des eigenen Genres. Bei all...
Folklore, so sie nicht gerade aus Lemi Ponifasios Südsee-Atelier kommt, hat ein Image-Problem. Wer bekennt sich (abseits des Oktoberfest-Rauschs) schon freiwillig zu Lodenzwirn, zu Lederbux oder Dirndl? Wer drückt sich ohne Not einen Schwarzwaldhut mit tennisballgroßen Filzpuscheln aufs Haupt? Und wer kann den Anblick wadelpatschender Bajuwaren ertragen, ohne dabei...
