serie master-macher
Das Büro von Jean-Christophe Maillot ist schneeweiß, allein die Bücher in den Wandregalen setzen ein paar Farbtupfer. Der Chef der Ballets de Monte Carlo sitzt hinter dem Schreibtisch und versucht, die Langzeitfolgen seines Bolshoi-Abenteuers «Der Widerspenstigen Zähmung» (tanz 10/14) auszukurieren, das ihm einen gebrochenen Fuß eintrug – «weil ich die Anstrengung unterschätzt habe».
Doch heute geht es nicht um den Kompanieleiter, nicht um den Cho-reografen, sondern um die Schule, die Maillot obendrein dirigiert – wenn auch nicht im operativen Geschäft: «Als ich gebeten wurde, das Ausbildungsinstitut unter meine Fittiche zu nehmen, dachte ich – okay, aber ich suche einen Direktor, weil ich mich nicht jeden Tag zerreißen will.» So rückte Luca Masala an die Spitze der Académie Princesse Grace in Monte Carlo, doch der Kopf, der Ideen und Leitlinien ausheckt, ist Maillot.
Für ihn war von Anfang an klar, dass die Akademie sich «auf die vorprofessionelle Phase spezialisiert», also Jungen und Mädchen erst ab dem 14. Lebensjahr aufnimmt. Fünfzig Betten hat das Internat, das in einer traumhaften Villa zwischen lauter Apartment-Türmen residiert. Derzeit sind 45 Plätze belegt, und das, findet ...
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Tanz Mai 2015
Rubrik: praxis, Seite 72
von Dorion Weickmann
«Ein jegliches hat seine Zeit. Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit. Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit; herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit.» Diese Prediger-Worte aus dem Alten Testament meint man durch Raimund Hoghes neues Werk...
screening
Verruchtheit, Orgie, Skandal und jede Menge Tanz – in Arthur Schnitzlers 1926 veröffentlichter «Traumnovelle» kommt alles zusammen, was im Wien jener Jahre als ebenso attraktiv wie anstößig galt. Genau wie Berlin oder Paris pulsierte in der Nachkriegsära auch die Donaumetropole, wurde der Stadtstoffwechsel angeheizt von Armut und Arbeitslosigkeit...
Die Bühne kreist, und mit ihr das zehnköpfige Ensemble in zwei Uraufführungen – in einer gemeinsamen Vision zwischen Traum und Ideal, die sich im Bühnenraum von Dorit Lievenbrück und in den Kostümen von Jelena Miletic ebenso spiegelt wie in der exzellent gefügten Kompanie.
Titelgemäß ambivalent choreografiert Stephan Thoss «Gefangen im tRaum». Fünf Paare tanzen vor...
