ludwigsburg: en avant, marche!
Ein stämmiger Mann (Wim Opbrouck) betritt missmutig die Bühne. Seine gestreiften Hosen lassen erkennen, dass er Mitglied einer Brass-Band ist. Er schließt einen DVD-Player an, nimmt ein Becken zur Hand und wartet auf seinen Einsatz in Wagners «Lohengrin»-Ouvertüre. Doch schon bald wird ihm langweilig, da die Musik für sein Instrument kaum Arbeit vorsieht. Als die übrigen Band-Mitglieder auftreten, versteckt er sich. Doch der Mann ist keineswegs so schüchtern, wie es zunächst scheint. Vielmehr hat er soeben die Diagnose Kehlkopfkrebs bekommen.
Deshalb könne er nun nicht mehr Posaune spielen und fühle sich in die hinterste Reihe der Band verbannt, erklärt er in gereizt-zynischem Tonfall. Und auf Italienisch, was kein Zufall ist: Er zitiert aus Pirandellos Monolog «L’uomo dal fiore in bocca», in dem ein Mann seiner Wut über seinen Krebs Ausdruck verleiht. Schließlich verfällt er in ein Kauderwelsch aus Französisch, Niederländisch und Deutsch.
So weit das Grundgerüst von «En avant, marche!». In Pirandellos Drama verstößt der Mann nach der Diagnose seine Geliebte, hier belästigt der Protagonist die Cheerleader der Band mit obszönen Bemerkungen. Eine der Frauen (Griet De Backer) gesteht ...
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Tanz Juni 2015
Rubrik: kalender und kritik, Seite 48
von Pieter T‘Jonck
ist Tänzer beim Hessischen Staatsballett Wiesbaden. Gewonnen hat er nun den «Goldenen Schmetterling» im Rahmen des ungewöhnlichen Choreograpfen-Wettbewerbs «Skopje Dancelab 2015» am Nationaltheater Skopje in Mazedonien. Der gebürtige Russe erhielt ihn für sein feines Solo «If I Were the Moon» zu «If» von Pink Floyd, das einen Mann porträtiert, der dem Tag nicht so...
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