Figure Humaine
Sie fühlt sich an wie Bimsstein, sieht aus wie die Membran einer weißlichen Koralle, ist von Rillen und Furchen in zigtausendfacher Ausfertigung durchzogen und soll Hamburgs neues Wahrzeichen in die Weltliga der Konzerthäuser führen: die Gipsplatten-Verschalung, die der Akustiker Yasuhisa Toyota für die Wände der Elbphilharmonie entworfen hat. Organisch fügt sich das Ingenieurwunder ins architektonische Ambiente von Herzog & de Meuron. Deren skandalumwobenes Gebäude ist, kaum eröffnet, bereits ein Publikumsmagnet, die komplette Veranstaltungssaison ausverkauft. Genius loci.
Die glasverspiegelte Residenz mit dem wellenförmigen Dach, die neben Konzertsälen auch Luxusapartments und ein Hotel der Spitzenklasse beherbergt, thront majestätisch über der Elbe und beherrscht die Silhouette der Hafencity. Selbst nüchterne Hanseaten können so viel Schönheit nicht widerstehen, die Stadt hat sofort vergessen und umgehend verziehen: die Kostenexplosion bis fast an die 800-Millionen-Euro-Marke, diverse Baustopps und Planungspfusch.
Sie fühlt sich an wie eine große musikalische Schwingung, sieht aus wie eine von Unterwasserströmungen bewegte Koralle, kommt dann und wann zum Stillstand und ...
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Tanz Februar 2017
Rubrik: Bewegung, Seite 4
von Dorion Weickmann
Léon Bakst
Ein Blick, und man wird diese Szenerie nie wieder vergessen. Das gilt für viele Bühnenbilder und Kostüme, die Léon Bakst (1866 – 1924) für die Ballets russes entworfen hat. Ob «Shéhérazade», «Le Spectre de la rose» oder «L‘après-midi d‘un faune» – der Maler verstand es, jedes Sujet mit einer unverwechselbaren Ikonografie aufzuladen. So trug er mannigfach...
Kate McIntosh macht glücklich. Sie gibt dem Publikum, wonach es sich sehnt: Gemeinschaftserlebnisse, die die Sinne, den Humor und die Intelligenz ansprechen. Im Stiften von Komplizenschaft ist sie Meisterin. So gerät ihre neue Performance «In many hands» zum ästhetisch durchkomponierten Selbsterfahrungstrip zwischen Waldorfschule und Laien-Labor.
Unser...
Dialoge seien eine Kunstform, schreibt Guy Cools. In den 1990ern leitete er das Kunstzentrum Vooruit in Gent. Danach war er als freier Dramaturg etwa für Akram Khan und Sidi Larbi Cherkaoui tätig. Dialoge, so schreibt er weiter, beruhen auf der Kunst des Zuhörens. Die existiere in unserer projektorientierten Kultur nicht mehr, laut Richard Sennett deshalb, weil...
