Nach Moskau
Zum dritten Mal, und das ist eine kleine Sensation, wird ein Ausländer Ballettchef in Russland. Nach Marius Petipa und Nacho Duato darf nun der Franzose Laurent Hilaire ein großes russisches Ensemble leiten: das Ballett des Stanislawski-und-Nemirowitsch-Dantschenko-Musiktheaters in Moskau, wo man eine Vorliebe für psychologisches Erzählen pflegt. Tänzer begreift man hier traditionell als tanzende Darsteller, dramatische Expressivität hat denselben Stellenwert wie virtuose Technik.
Hilaire hat sich u. a.
gegen den früheren Bolschoi-Solisten Andrei Uvarov und den Chef-Ballettmeister des Mikhailovsky-Theaters, Mikhail Messerer, durchgesetzt – eine pro-westliche Entscheidung, die auch dem neuen Intendanten des Theaters, Anton Getman, zu verdanken sein dürfte. Hilaire übernimmt in schwierigen Zeiten: In den letzten zwei Spielzeiten sind profilierte Tänzerinnen und Tänzer abgewandert, u. a. ans Bolschoi und zum Bayerischen Staatsballett. Das Repertoire umfasst 16 Stücke, unter denen eine «Esmeralda» in der Burmeister-Fassung von 1950 mit einer Neumeier-«Tatjana» von 2014 koexistiert. Immerhin ist Hilaires neue Truppe leichter zu leiten als die Schwesterkompanien an ...
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Tanz Januar 2017
Rubrik: Persönlich, Seite 33
von Leila Guchmazova
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