Martin Landzettel
Warum sollte sich ein Tänzer für Stimmphysiologie interessieren? Als unsere Vorfahren im Zeitalter der Brachiatoren, der Armhabenden, an Land kamen, bildete sich ein Ventil im Atemtrakt, das die Luft am Ein- oder Ausströmen hindert und hilft, einen Kräftepulk zu entwickeln für das, was man äußerlich tut, etwa das Abstoßen oder das Heranziehen mit den Armen. Etwas schließt sich und führt zu Stabilität: der Kehlkopf. Später wurde er zum Phonationsorgan.
Alles, was im Körper passiert an Kraftausübung, wird qualitativ beeinflusst durch das Atemventil. Läuft etwas falsch auf stimmlicher Ebene, leidet nicht nur die Stimme, sondern das gesamte Kräfte- und Bewegungs-Repertoire.
Der Kehlkopf ist der Schlüssel? Man lernt, mit einem Organ umzugehen, das mit dem gesamten Körper im Zusammenhang steht über unzählige Muskelketten und neurologische Systemeinheiten. Der Kehlkopf reagiert, wenn wir einen Schritt tun, die Faust ballen, das Gesicht verziehen etc. Jeder Tänzer lernt, dass Atmung eine Rolle spielt. Aber das Ventil auch. Jemand macht eine Bewegung mit hochgezogenem Kehlkopf ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Ich entwickle mich langsam. Ich bin nicht jemand, der steil aufsteigt. Natürlich verfolge ich auch eine Ästhetik und eine Linie, die aber nicht trendig ist. Auf längere Sicht zeigt sie aber vielleicht eine Perspektive auf, die überleben kann.» So bescheiden klang der Schweizer vor vielen Jahren. Aber er behielt recht. Seit 1999 leitet der heute 49-Jährige das...
In Monte Carlo geht es in den Berg hinein, ins Grimaldi-Forum tief unter den Mittelmeeresspiegel. Hier leitet Jean-Christophe Maillot seit 16 Jahren die Ballets de Monte Carlo. Seine Ballettversion von Gounods «Faust» 2007 gewann den Prix Benois de la Danse, im März 2007 entstand daraus sein Operndebüt am Staatstheater Wiesbaden. Gounod einmal vertanzt, einmal...
Ballett-Einlage
Es war eine ungeliebte Pflicht, die die Tänzer des Opernballetts an Stadt- und Staatstheatern an ihren Status im Kanon der Künste erinnerte. An ein Haus gekettet, künstlerisch mit wenigen Vorstellungen kurzgehalten, galten sie den Kollegen als hübsche Verfügungsmasse. Mussten antanzen zu «Einlagen» in Musical, Operette und Oper; obwohl deren...
