jacopo godani
Man stelle sich diesen Vorgang in irgendeiner anderen Kunstsparte vor: Joanne K. Rowling hat beschlossen, keine Fortsetzung von Harry Potter zu schreiben. Da fasst sich Cornelia Funke ein Tintenherz und schreibt die Serie weiter. Daniel Barenboim dirigiert nicht mehr das West-Eastern Divan Orchestra, fortan hebt Ingo Metzmacher den Stab. Neo Rauch lässt den Pinsel fallen, und sein Nachbar in der Leipziger Baumwollspinnerei, Jim Whiting, sammelt ihn wieder auf.
So fühlt sich das an, wenn William Forsythe abdankt und Jacopo Godani zum September 2015 die auch weiterhin als Forsythe Company firmierende Truppe übernehmen wird – auf der Grundlage komplexer Verträge mit zwei Bundesländern und zwei Städten, Dresden und Frankfurt. Bis 2018 will, muss oder möchte sie weitertanzen.
William Forsythe selbst, der bis Juli 2015 seinen Stellvertreter Christopher Roman an die Spitze der Kompanie gesetzt hat (tanz Jahrbuch 2014), bringt seine nächste große Premiere in der Spielzeit 2015/16 bei Benjamin Millepied am Pariser Opernballett heraus – gerade erst gab es im Palais Garnier zwei Wiederaufnahmen von «Pas./parts» und «Woundwork 1». Um Forsythe muss man sich wirklich keine Sorgen machen.
Sein ...
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Tanz November 2014
Rubrik: menschen, Seite 23
von Arnd Wesemann
Wer sich zutrauen würde, eine Geschichte des zeitgenössischen Tanzes zu schreiben, käme schnell zur Erkenntnis: Es gibt keine richtige Reihenfolge. Es scheint unmöglich zu sagen, auf Choreograf X folgte Choreografin Y. Was in einem Stadttheater noch gültig zu sein scheint – nach Youri Vámos in Düsseldorf kam Martin Schläpfer – ist dennoch ungültig, denn Schläpfer...
Arm ist, wer mit der Sorge ums Geld aufsteht, aus Sorge ums Geld arbeitet und mit derselben Sorge wieder ins Bett steigt. Armut kann unermesslich sein, und darum ist sie auch nicht messbar, nicht mal an der Füllhöhe des Kühlschranks. Ist einer erst dann arm, wenn er keinen Kühlschrank mehr hat? Arm ist vielmehr, wer sein Denken nur noch schwer in andere Bahnen...
Wrocław wird 2016 Europäische Kulturhauptstadt. Für das Ballett der Oper Anlass genug, schon jetzt neue Akzente zu setzen, um aus dem übermächtigen Schatten der Megamusikproduktionen herauszutreten. So kann man die erste Premiere der Saison programmatisch sehen: Strawinskys «Der Feuervogel», Bartóks «Der wunderbare Mandarin» an einem Abend – publikumswirksam das...
