kindheitserinnerung
Auf Stoppelfeldern einen Drachen steigen lassen, die Hand am Stacheldrahtzaun verletzt, vom Fahrrad gestürzt: Bilder ohne Schmerz. Der ist vergessen. Erinnerungen sind oft kalt wie Fotografien. An vieles glaubt man sich überhaupt nur zu erinnern, weil ein Foto existiert. Wenn die Geliebte nicht da ist, tanzt einem ihr Gesicht vor den Augen. Bewegtes aber können wir uns nur selten merken. Fotos halten still, darum wird ein fotografisches Gedächtnis bewundert. Ein gutes Bewegungsgedächtnis haben Tänzer. Getriggert wird es mal vom Gang eines Passanten, mal von einer Musikpassage.
Passage aber heißt nur: Etwas geht vorüber, oder man geht hindurch.
Die europäische Kultur mag keine Passagen. Sie hat den Hang zur Erhaltung des Ganzen, will die Geschichte immer wieder sehen. Wir wollen auf ein Buch in der Bibliothek zurückgreifen, in der nichts verloren gehen darf. Das Archiv des Lebens zu errichten, das ist uns selbstverständlich: um das Vergessen zu vergessen. Deshalb geht immer ein Entsetzen durchs Land, wenn eine Bibliothek wie in Weimar brennt oder ein Archiv wie in Köln einstürzt. Dahinter steht nichts anderes als unsere Angst vor dem Tod.
Vergessen ist natürlich. Erinnern ist Kultur. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Sie sind ausgewiesene Theaterregisseure, Laurent Chétouane zum Beispiel. Ihre Spezialität: Sie arbeiten mit Tänzern wie einst Achim Freyer oder choreografieren den Schauspieler wie vordem Einar Schleef. Was vor zwanzig Jahren als fast einsame, aber hoch gelobte Avantgarde begann, hat es heute noch immer schwer. Da mischt zwar der Intendant der Berliner Schaubühne,...
Mario Schröder ist der neue Chef des Leipziger Balletts. Sein Einstand hätte besser nicht laufen können. Standing Ovations gab es für die Eröffnungspremiere «Chaplin» und einen Strauß Komplimente von keiner Geringeren als Geraldine Chaplin, die extra nach Leipzig gereist war, um die Hommage an ihren Vater in postumer Stellvertretung entgegenzunehmen. Womöglich war...
Long Sky … Blue Woolen Coat, Worn with a Large Roll-Neck Jumper, Peach Leather Trousers and Red Nubuck pointed High Heel Shoes» – so ein Titel könnte eine Kostümidee sein. Oder Worte aus dem Notizbuch des Choreografen vor der ersten Probe. Oder etwas eilig Dahinbuchstabiertes, um einem ungeduldigen Produzenten zu erklären, worum es hier gehen wird. Der Titel ist...
