Zettelträume
Die Frau hat sich einen Löwen über die Schultern geworfen. Sein Schweif baumelt auf der einen Seite ihrer Beine herab, auf der anderen Seite hängt sein Kopf schräg herunter und wippt ganz leicht im Takt ihrer Schritte. Aus den Hüften einer anderen Schönen wachsen Hunderte von zitternden Papierstreifen, wie Schilfgras. Vom Dekolleté einer Dritten fallen Tentakel aus Tausenden von Papierkreisen bis hinab zu ihren Waden. Wenn sie sich bewegt, sieht es aus, als würde das Gebilde in der Strömung eines Flusses schimmern.
Nur wenige wissen wohl so genau, was Hände, Schere und Faden mit ganz gewöhnlichen A4-Bögen machen können, wie die in Polen geborene Schwedin Bea Szenfeld. Ihre irrsinnig aufwendigen Kostüme aus weißem Papier haben die 43-jährige Künstlerin berühmt gemacht. Ihre Stücke werden von Sammlern und Museen in der ganzen Welt gekauft. Sie waren in einem Musikvideo von Lady Gaga zu sehen, und das Stockholmer Dansmuseet hat ihnen eine Ausstellung gewidmet. Mehr als 200 Millionen Menschen sahen die Kostüme ihrer Kollektion «Haute Papier» im Fernsehen, vorgeführt von Models bei der Eröffnungsshow des «Eurovision Song Contest 2016» in Stockholm.
Die Kreationen ...
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Tanz Januar 2017
Rubrik: Bewegung, Seite 4
von Kathleen Hildebrand
In der Bolschaja-Dmitrowka-Straße der russischen Hauptstadt erinnert künftig ein Denkmal an die 2015 verstorbene Maja Plissezkaja. Die Skulptur von Victor Mitroshin zeigt die legendäre Ballerina des Moskauer Bolschoi-Balletts in einer ihrer berühmtesten Rollen: als «Carmen» in der Choreografie von Alberto Alonso.
Der kanadische «Erik Bruhn Prize» geht in diesem...
Im Februar: Tanzen ist Sünde!
Dieses Urteil setzten die Kirchenväter in die Welt, und ihre Nachfolger verkündeten es weiter bis ins Hoch- und Spätmittelalter hinein – so heißt es jedenfalls, wann immer es um Christentum und Tanz geht. Doch das Klischee ist brüchiger, als wir annehmen. Denn der Tanz gehörte zu den Ritualen, die geistliche Gemeinschaften...
Raimund Hoghe scheint um sein Leben zu schwimmen. Dann am Strand zu liegen und den Wellen zu lauschen, die Arme eng am Körper. Guy Vandromme sitzt am Flügel und spielt «La Valse» von Maurice Ravel, die Pianoversion, so aufgewühlt, als wäre es der finale Sturmflut-Satz aus Claude Debussys «La Mer». Die Assoziation entsteht vor allem deshalb, weil bald klar...
