Your Passport, Please
Auf der Liste des Kultur-Import-Exports steht Tanz ziemlich weit oben. Jedes Tanzfestival ist inzwischen eine interkontinentale Angelegenheit. Doch die Kunstform, die auf der Bühne kaum Grenzen kennt, überwindet die realen nicht immer reibungslos. Tanzkompanien sind an sich schon multinationale Gebilde. Und auch in Europa selbst, wo die Grenzen scheinbar immer transparenter werden, erwarten die Tanzenden je nach Nationalität unterschiedliche Formalitäten und Bestimmungen. Da kann es schon einmal passieren, dass Teile des Ensembles nur über Umwege an ihr Ziel kommen.
Wer sich mit Claudia Bauer und Meinrad Huber über die Tücken der globalen Tanzwelt unterhält, die hinter einer jeden Tourneeplanung lauern, der bekommt eine Menge zu hören. Weißt du noch, wie wir dem litauischen Tänzer von Ismael Ivo an der Grenze zur Schweiz im Eilverfahren ein Visum besorgen mussten? Und der Slowake aus der Kompanie von Rui Horta, der auf dem Weg nach Brasilien nicht über London reisen durfte? Claudia Bauer und Meinrad Huber haben mit ihrer Agentur Ecotopia seit vielen Jahren alle Hände voll damit zu tun, einem guten Dutzend Kompanien – vom Aterballetto über Batsheva bis zu Helena Waldmann – rund um ...
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Die Welt lebt von Grenzen. Der Kolonialismus zog sie willkürlich über die Landkarte. So grenzte man sich voneinander ab – so, wie die Moderne vom Ballett, das den Kolonialismus repräsentierte. Sagt Natasha Hassiotis
Seit fünfhundert Jahren ist Afrika kolonialisiert. Kolonialismus heißt: Die Ökonomie in einer Kolonie gehört ihr nicht. Arbeit wird nur aufgezwungen,...
Thomas Hauert «Accords»
Die «accords» beginnen im Dreiklang: drei Personen nebeneinander. Gleich knickt die Mittlere im Knie ein, die anderen tun ihr nach; der rechte Tänzer wendet die Handflächen um, die anderen auch; der Dritte reckt zackig eine Schulter, ein Knie, hebt die Hand. Schnelle Bewegungen wechseln mit verzögerten. Die drei werden zum lockeren Pulk,...
«Ich bin Gott», notiert er Anfang 1919 in sein Tagebuch – und hatte recht, was seine Kunst betrifft, die ihn in den Augen seiner Zeitgenossen anbetungswürdig macht. Aber er meint wenig später auch: «Ich bin nicht Gott ... Ich bin kein Mensch ... Ich bin ein wildes Tier und ein Räuber ... Ich bin nicht Nijinsky, wie Sie denken ... Nijinsky, das bin ich.»...
