wien: burrows, fargion: «the cow piece», «cheap lecture»
Die Schlinge um den Hals, baumelt die Kuh über dem Abgrund. Gnadenlos wird sie fallen gelassen. Ein Schreckenslaut, und Chiara stürzt ab. Perdita folgt ihr. Auch eine Violetta ist dabei, die der Komponist Matteo Fargion auf diese Weise über die Klinge springen lässt, während sein Kollege, der Tänzer Jonathan Burrows, seine sechs Kühe auf seinem Tisch hin und her gruppiert. Singend, das Akkordeon vor dem Bauch, im rhythmischen Sprechgesang, spielt das Duo mit seinen braun-weiß und schwarz-weiß gefleckten Plastikkühen.
«The Cow Piece» gehört zusammen mit «Cheap Lecture» zum neuen Doppelprogramm von Burrows und Fargion. Es huldigt der Sprache, dem Rhythmus, dem Tanz, den Kühen, der Sterblichkeit und dem Publikum. Ganz dicht sind die beiden Herren mit ihrem Equipment aus Klavier, Ukulele, Ziehharmonika, Kühen, zwei Tischen, Mikrofonen und einer Stellage für den Laptop an die Zuschauertribüne herangerückt. Rechts ein Performer, links ein Performer, zwischen ihnen häuft sich das weiße Papier der «Cheap Lecture» auf dem Boden. Sobald einer ein Blatt abgelesen hat, lässt er es zu Boden gleiten: Fargion mit der nonchalanten Lässigkeit des Musikers, Burrows mit dem Eifer des konzentrierten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Eine Masse, umgeben von einer glänzenden Hülle, in goldenes Licht getaucht. Mit diesem Bild setzt Marie Chouinards neues Stück «Le nombre d’or (LIVE)» ein. Die Masse beginnt sich zu bewegen; aus einem Knäuel werden zwei Personen, die sich wie Katzen räkeln, sich langsam voneinander lösen. Ganz allmählich kriechen die beiden unter der Hülle hervor, sie strecken...
Ein Exsportler wird derzeit durch die Talkshows gereicht. Balian Buschbaum heißt der Mann, ein drahtiger Kerl mit Bürstenhaarschnitt, der das Publikum zu Lachsalven hinreißt. Offenherzig berichtet Buschbaum, wie es sich anfühlt, ein Mann zu sein, ja, wie er überhaupt dieses rettende Ufer erreicht hat und seitdem seine Virilität genießen kann: «Es gibt eine kleine...
Wir sehen: das Deutsche. Erst auf Französisch, un, deux, trois, quatre. Drei Trommler unter dem schwarzen Wehrmachtskreuz, das sich auf weißen Bühnenbodenplatten wiederholt, ein Lied, zwo, drei, vier. Wir sehen im Kreuz: deutsche Geschichte von den Kreuzrittern bis zu Kreuzfahrttouristen – das Folgsame, das Gehorsame, das gut Geführte. Schritt vor, Schritt zurück,...
