unmündig...
Es gibt kein Theater, keine Performance, keine Tanzvorstellung ohne Zuschauer. Trotzdem ist dem Theater der Zuschauer als bloßer Zuschauer nie genug. Er soll mehr sein, soll ein Verstehender, ein Mitspieler, ein Kollaborateur werden. Jacques Rancière – französischer Philosoph der Ästhetik und Politik – beschäftigt sich in seinem Werk «Der emanzipierte Zuschauer» mit genau diesem «Paradox des Zuschauers». Warum darf der Zuschauer nicht einfach nur zuschauen?
Die traditionelle Skepsis gegenüber bloßem Zuschauen ist tief in unserer Kultur verankert.
Das Zuschauen ist seit Platons berühmtem Höhlengleichnis mit einer Illusion verbunden. Er hatte es sogar als Gegensatz zur Erkenntnis verhandelt. Gefesselt und gefangen, sitzen die Menschen passiv in einer Höhle und starren auf eine Projektion bloßer Trugbilder, Schatten, die sie womöglich für die Realität halten. Gefangen sind sie in der einen Perspektive, in der ihnen wie im Theaterstuhl die Hände gebunden sind. Sie können nur glauben, was sie sehen. Selbst aktiv werden können sie nicht.
Das Zuschauen sei somit eine Grundschuld des Theaters: Es erzeuge Illusionen und passive Menschen. Platon schloss daraus, das Theater sei generell ...
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Tanz Februar 2011
Rubrik: ideen, Seite 58
von Anke Euler
Als «Fingerübung» wird die Koproduktion von Ioana Mona Popovici und der Theaterfakultät der Janácˇek-Akademie für Musik und darstellende Kunst in Brünn im Programmheft bezeichnet. Tatsächlich spielen Finger in «The Amnesic Days of the Polar Nights» eine nicht ganz unwesentliche Rolle. Wie frierend reibt sich Nela Kornetová zu Beginn die klammen Finger....
«Break-Dance […] hat sich auch hierzulande etabliert», war am 12. März 1985 auf der lokalen Kulturseite des «Sächsischen Tageblatts» zu lesen – in einem Land, in dem es ihn eigentlich nicht geben durfte. Natürlich waren die sozialen Bedingungen in der DDR nicht annähernd jenen vergleichbar, die in den schwarzen Ghettos Amerikas zu seiner Entstehung beigetragen...
Bitte kurz etwas zu Ihrem beruflichen Werdegang.
Ich lernte Ballett und Modern Dance und studierte an der Schule von Martha Graham in New York. Die Technik passte gut zu mir, bei der richtigen Lehrerin verstehst du, dass es nicht um hart oder krampfig geht. Nach der Arbeit mit diversen Choreografen ging ich zurück nach Triest, fing an zu unterrichten und suchte...
