The Queen Of Hearts
Ja, das balletttheater München gibt’s noch. Was nicht heißt, dass alles eitel Sonnenschein wäre. Die Finanzknappheit bringt Kämpfe mit sich – um Tänzerstellen, um die Zahl von Produktionen und Aufführungen. Der Engländer Taylor wundert sich da ein wenig über die Schwerfälligkeit deutscher Spartenhäuser. Aber noch ist ihm nicht der Finanzminister in Gestalt der Herzkönigin begegnet und hat geschrien: Rübe ab! Der Ballettchef des kleineren von Münchens zwei Opernhäusern plante bereits vor dem Finanzfiasko des vergangenen Sommers die «Alice im Wunderland».
Und hatte sich was Schwieriges vorgenommen, nicht nur, weil es sein erstes abendfüllendes Handlungsballett werden sollte. Er wollte nicht mit Schritten und Schrittchen in aussichtslose Konkurrenz zum unerreichbaren Sprachwitz seiner Vorlage treten und wollte nicht Bekanntes nur nacherzählen. Es wurde also: ein Handlungsballett ohne Handlung. Dabei unterliefen ihm zwei Fehler. Deutschland ist nicht England. Dort fällt irgendwann mal jedes Kind ins Erdloch, dem weißen Kaninchen hinterher. In England gehören Zitate aus der «Alice» zum alltäglichen Sprachschatz. Hierzulande ist sie kaum präsent. Und man weiß kaum, wie bös, wie ...
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